„Ein Blogartikel über Work-Life-Balance wäre interessant. Dieses Thema scheint vor allem jungen Menschen wichtig zu sein und sehr zu interessieren. Wäre schön von Dir zu erfahren, wie Du immer wieder, trotz den vielen Seminaren, die Balance behältst.“

Das war Claudias Frage an mich, denn bei der Blogartikel-Planung für 2020 habe ich die Leser auf meiner Facebook-Seite gefragt „Worüber sollte ich mal schreiben – zu den Themen Coaching, Stressreduktion und ein schönes Leben?“

In diesem Artikel findest Du meine persönlichen Work-Life-Balance Strategien.

Zunächst muss ich zugeben…

Work-Life-Balance… ich kann’s nicht mehr hören!

Sorry Claudia – bitte nimm‘ es nicht persönlich. Die Überschrift darf deshalb provokant sein, weil ich auf ähnliche Art und Weise Menschen diesen Satz sagen höre – stets unterstrichen durch Augenverdrehen und Kopfschütteln. Und ich verstehe es.

Irgendwann rollte diese Work-Life-Balance Welle durchs Land, Unternehmen buchten Work-Life-Balance Seminare, die Fitness-Studios boten Work-Life-Balance Pakete an, Arbeitnehmer mussten einfach nur gesund essen, genügend trinken, Sport machen, entspannen und: Der Stress geht weg! So einfach ist das nicht. Ich bin davon überzeugt, dass es bereits viele von uns verstanden haben.

Per Definition heißt Work-Life-Balance: „Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen beruflichen Anforderungen und privaten Bedürfnissen einer Person“. Meiner Meinung nach geht es um viel mehr, als um das „Dazwischen“. Es geht darum, wie Du die Balance in Deinem LEBEN generell halten kannst. Was ist zum Beispiel mit den Müttern, die ihren Beruf für die Erziehung ihrer Kinder für ein paar Jahre nicht ausüben? Auch diese erleben Stress. Sag mir jetzt bitte keiner „Warum sollen die Stress haben, die sind doch den ganzen Tag zu Hause…“ (anderes Thema). Stress wird individuell wahrgenommen und die Stressfaktoren eines jeden Einzelnen sind sehr unterschiedlich.

Zurück zur Frage von Claudia: Deshalb finde ich Claudias Beschreibung zu ihrer Frage sehr wertvoll und die macht mir richtig Lust, über Balance im Leben zu schreiben (und für diesen Artikel bleibe ich mal beim Wording „Work-Life-Balance“).

Junge Menschen und die Work-Life-Balance

Der jungen Generation gelingt es eine gute Balance zu halten.

Hier nehme ich persönlich gerade einen massiven Generationen-Konflikt wahr. In den Konzernen, für die ich Seminare gebe, begegnen mir immer gemischte Gruppen: Die „Jungen“ und die „Älteren“ – und das wird auch genauso in den Gruppen ausgesprochen.

Die „Älteren“ schimpfen, dass „die Jungen“ keine Verantwortung mehr übernehmen, dass ihnen Freizeit wichtiger ist und dass sie „am liebsten chillen.

Die „Jungen“ sagen, dass „die Älteren“ das Leben und den Job viel zu ernst nehmen oder die Anderen, die nichts verändern wollen und auf die Rente warten.

*Autsch*

Auf diesen Konflikt möchte ich in diesem Artikel nicht eingehen.

Doch es gibt eine Sache, die mir bei jungen Menschen auffällt und das, hat durchaus was mit „chillen“ zu tun.

In über 120 Seminartagen, mit Menschen zwischen 23 und 60, nehme ich wahr, dass junge Leute – grob gesagt – zwischen 23 und 35:

  • Das Wandern (in den Bergen) für sich entdeckt haben und sich, so oft es geht, die Zeit dafür nehmen.
  • Regelmäßig Sport treiben und dabei konsequent sind.
  • Sich mit gesunder Ernährung beschäftigen und oftmals gerne kochen.
  • Meditieren.
  • Sich Zeit nehmen für Familie und Freunde.
  • Sich in ihrer Freizeit von der Arbeit abgrenzen können.
  • Home-Office-Angebote annehmen und dabei wirklich produktiv arbeiten.
  • An Persönlichkeitsentwicklung interessiert sind.

Und ganz ehrlich? Ich finde das großartig! Wenn diese Generation sich das bewahrt, dann werden wir vielleicht in Zukunft weniger Burnout-Fälle verzeichnen können! Mich würde das sehr glücklich machen.

Und jetzt kann ich überleiten zum zweiten Teil von Claudias Frage:

Wie schafft es die Coach und Expertin für Stressreduktion und Burnout-Prävention, in Balance zu bleiben?

Spontane Antwort: „Das frage ich mich manchmal auch!“ ;-) Ja. Aus dem Bauch heraus, ist das gerade meine Antwort, denn das vergangene Jahr empfand ich als sehr anstrengend und tatsächlich habe ich in der zweiten Jahreshälfte immer öfter gespürt, dass ich aus dem Gleichgewicht gerate. Ja – das passiert auch mir, woraus zum Beispiel der Artikel „7 Tipps, um Dein Hamsterrad zu verlassen“ entstanden ist.

Entscheidend dabei ist, dass ich es wahrnehme und direkt reagiere.

Hier meine 10 Work-Life-Balance Strategien

1. Meditation

Seit über 3 Jahren mein Lebenselixier. Ich meditiere täglich. Lasse ich es schleifen, verliere ich mich aus dem Fokus, bekomme den Tunnelblick und hechele den To-Do’s hinterher. Wie ich es geschafft habe, täglich zu meditieren und was sich dadruch bei mir verändert hat, erzähle ich Dir in diesem Artikel. Und da ich oft gefragt werde, „wie“ ich meditiere, findest Du die Antworten dazu in diesem Artikel: 4 Entspannungsmethoden im Test – Meditation (MBSR).

2. Laufen

In der Regel laufe ich 1x pro Woche. Ausnahmen bestätigen die Regel ;-) doch immerhin laufe ich nun schon seit fast 6 Jahren. Körperliche Bewegung an der frischen Luft tut mir gut, motiviert mich und hilft dem Stressabbau. Nach dem Laufen am Morgen bin ich jedes Mal glücklich und über den Tag super produktiv.

3. Auszeit

Wir haben ein Wohnmobil und nutzen es so viel es nur irgendwie geht. Wir fahren häufig für 4 bis 5 Tage weg – mal ans Meer, mal in die Berge, Freunde besuchen und natürlich auch für zwei bis drei Wochen im Sommerurlaub. Die kurzen Auszeiten sind jedoch besonders wertvoll. Rausfahren, Natur, lesen und Nichtstun. Dabei kann ich wirklich auftanken. Es gelingt mir dann auch problemlos „wichtige Dinge“ liegen zu lassen.

In diesem Jahr biete ich erstmals „Auszeit-Seminare“ an. Wenn Du darüber informiert werden möchtest, melde Dich zu meinem Newsletter an und Du wirst den Start nicht verpassen:

Cover Energiequellen-Finder

Raus-aus-dem-Stress-Impulse


Melde Dich zu den „Raus-aus-dem-Stress-Impulsen“ an und erhalte alle zwei Wochen wertvolle Impulse, exklusive Inhalte und ab und an auch mal Neuigkeiten aus dem „Raus-aus-dem-Stress-Angebot“.

Hier findest Du mehr Infos und die Datenschutzerklärung.

Apropos „wichtige Dinge einfach liegen lassen…“ Mein nächster Tipp:

4. Zulassen, Dinge nicht zu tun…

…nämlich all die wichtigen Dinge, die ich unbedingt machen MUSS. In meinem Fall – als Unternehmerin – kann ich selbst entscheiden was wichtig und was dringend ist. Klingt easy? Ist es aber nicht. Wenn ich etwas machen möchte, dann bleibe ich dran und will es auch erreichen. Kollegen und meine Coaches sagen, ich sei „umsetzungsstark“. Coole Eigenschaft… allerdings auch gefährlich. 2019 habe ich zum Beispiel zugelassen (also mir selbst erlaubt), meine Blogartikel und meinen Newsletter nur dann zu schreiben, wenn ich wirklich Zeit und Muße dazu hatte (anstatt alle zwei Wochen). Das ist mir zunächst nicht leichtgefallen, weil es mir sehr wichtig ist. Als ich mir die Erlaubnis dazu gegeben habe, dass ich das jetzt gerade nicht schaffe und es okay ist, ist ein Stressfaktor von mir abgefallen. Und dabei hilft mir der nächste Punkt:

5. Der Selbstsabotage entgegenwirken

Ich habe da ein paar gute alte Bekannte, die mich mindestens schon 30 Jahre begleiten: Selbst sabotierende Gedanken, ständig meckernde Stimmen die mir in den Ohren liegen und mir sagen, was ich alles tun MUSS. Muss… um erfolgreich zu sein, um gemocht zu werden, um xyz. Und wenn ich nicht tu, was meine Gedanken mir sagen, dann „kann das ja alles nix werden“.

Ich spreche hier von Glaubenssätzen, die in der Regel völlig irrational sind. Gedanken im Kopf, die mich blockieren, die mich stressen, die mich auch schon mal verzweifeln lassen. Die gute Nachricht:
Ich habe sie enttarnt. Es sind nicht wenige. Mir ist bewusst woher sie kommen und wenn ich sie rational betrachte, dann machen sie in den meisten Fällen keinen Sinn. Das heißt, wenn das Gedankenkarussell los geht, ich mich „ungenügend“ fühle und mich gestresst fühle, dann höre ich ganz genau hin, welche Glaubenssätze (welche inneren Stimmen), hier gerade aktiv sind. Mit dieser Bewusstwerdung kann ich in diesem Moment entscheiden:

  • Ist das die Realität? (In der Regel nicht).
  • Was ist die Realität? (dazu kann ich konkrete Beispiele benennen)
  • Welche Affirmation (positiver Glaubenssatz) kann mir jetzt helfen?

Je länger ich mich schon damit befasse, desto schneller kann ich mittlerweile aus dem stressigen Hamsterrad aussteigen.

In diesen Artikeln, habe ich einige Beispiele beschrieben, mit welchen Glaubenssätzen sich Viele von uns so herumschlagen und für welchen Stress sie verantwortlich sind:
„11 irrationale Überzeugungen, die Dir Stress machen“
„Einen Scheiß muss ich“
„Gleicht Dein Kalender einem Horrorszenario?“

6. Erfolgstagebuch

Erfolge dürfen gefeiert werden!

Eine sehr laute Stimme in meinem Kopf meckert ständig rum, dass ich ja „nichts geleistet habe“. Wenn ich Seminare halte und Einzelcoachings habe, dann nehme ich meinen Erfolg durch das Feedback wahr, das ich von den Menschen erhalte. Wenn ich jedoch tagein, tagaus am Schreibtisch hocke und mir nicht ab und an jemand sagt, dass ich etwas geleistet habe, oder eine Sache gut gemacht habe, dann habe ich das Gefühl, nichts geleistet zu haben. Da es eine solche Person nicht gibt (*), muss ich mir meine Erfolge also selbst sichtbar machen. Das ist übrigens eine ganz entscheidende Sache: Wichtig ist, was Du Dir selbst schenkst, nicht das, was von außen kommt!

Aus diesem Grund schreibe ich am Ende der Woche mein Erfolgstagebuch, in dem ich mir ganz bestimmte Fragen beantworte. Dabei ist es wichtig, Dir im Klaren darüber zu sein, was für Dich in Erfolg ist. Mir persönlich geht es darum nicht nur um neue Kunden, monetäre Erfolge und die Anzahl der abgehakten To-Do’s. Erfolge sind für mich auch ganz kleine Dinge, die mir guttun: Zum Beispiel, dass ich mir täglich was Frisches gekocht habe, dass ich mir Zeit dafür genommen habe Familie zu sehen oder spazieren zu gehen. Eben all die Dinge, die mir nicht selbstverständlich gelingen, obwohl ich genau weiß, dass sie mir guttun.

(*) Stimmt nicht ganz. Mit meiner Erfolgspartnerin Silke treffe ich mich jede Woche online. Wir sprechen zunächst darüber, was wir in der vergangenen Woche erreicht haben und dann setzen wir klare Ziele für die kommende Woche. Spätestens dann stellen wir jedes Mal fest „Wow – ich habe ja doch einiges geleistet.“ – Kann ich nur jeder und jedem „Solopreneur“ / Einzelunternehmer*in empfehlen :-)

7. Ziele überprüfen

Ein kurzes Selbstcoaching um zu schauen, wie ist gerade der Status quo?
Das mache ich zwei bis drei Mal im Jahr:

Ziele überprüfen, Ausschau halten und fokussieren.
  • Was von meinen Zielen habe ich schon erreicht?
  • Was noch nicht?
  • Aus welchem Grund habe ich es noch nicht erreicht?
  • Was war hinderlich?
  • Was ist förderlich?
  • Fühlt sich das gut an?
  • Wenn nein, wozu dient es mir dann?
  • usw.

Ich finde damit wieder den Fokus und habe dabei in den letzten 3 Jahren gelernt, nicht nur kognitiv, rational, im Kopf zu sein, sondern viel mehr auf mein Gefühl zu hören. Geht es mir wirklich gut damit? Fühlt es sich richtig an? Was stört?

8. Spazieren gehen und Entspannung

Entspannung und Durchatmen im Wald

Wenn ich Seminare halte, dann bin ich während der ganzen Zeit sehr angespannt. Ich bin zwar völlig im Flow und in Freude und gleichzeitig bin ich sehr wach, sehr feinfühlig, sehr konzentriert und mein hoher Anspruch an mich selbst tut den Rest ;-) Das heißt, wenn die Seminarteilnehmer den Raum verlassen, ich den Tag nachbereite und den nächsten Tag vorbereite, spätestens dann nehme ich die Anspannung wahr. Wenn ich dann achtsam mit mir selbst bin, dann gehe ich entweder noch eine kleine Runde an der frischen Luft spazieren (durchatmen, bewegen und dadurch Stress abbauen) oder ich lege mich eine halbe Stunde aufs Hotelbett und übe die Progressive Muskelentspannung aus, bevor ich dann mit meinen Seminarteilnehmern zum Abendessen gehe.

9. Das Herz mitnehmen

Der Verstand ist wichtig und ganz oft ist das Herz wichtiger. Besonders dann, wenn das Leben leicht sein soll.
Foto: ©Thomas Reimer – stock.adobe.com

Obwohl ich einerseits ein sehr feinfühliger Mensch bin, so bin ich auf der anderen Seite auch ein sehr rational denkender Mensch. In jungen Jahren habe ich mir „fühlen“ abtrainiert und damit meine kognitiven Stärken – rationales Denken – weiter gestärkt. Als mir das vor ein paar Jahren bewusst geworden ist, wünschte ich mir, meiner Intuition mehr zu vertrauen, meinen Gefühlen Raum zu geben und weiterhin den Verstand zu nutzen. Ich mache es kurz:

Im letzten Jahr lernte ich mehr und mehr auf mein Gefühl zu hören. Ich will berufliche Ziele erreichen, ich habe Strategien, ich kenne Wege. Mit all diesem kognitiven Wissen und mit Handwerkszeug, dass mich diese Ziele erreichen lässt, bin ich gut gerüstet. Und: Ziele erreichen darf sich leicht anfühlen. Es darf Spaß machen. Unter Anstrengung und verbissen Ziele verfolgen, …das fühlt sich keineswegs leicht an. Seit dieser Erkenntnis frage ich täglich mein Herz und meinen Bauch: „Was macht mir heute Freude?“ Und ich höre darauf. To-Do’s fühlen sich jetzt leicht an und das Schöne: Ich erreiche meine Ziele – im Übrigen nicht langsamer als zuvor, denn wenn ich das tu, woran ich Freude habe, dann bin ich im Flow. Wenn ich immer nur das tu, von dem ich denke, dass nur das der einzig logische Schritt vor dem nächsten ist,… dann fühlt es sich anstrengend an. Eine wundervolle Erkenntnis.

10. Handeln!

Wenn Du nicht ins Tun kommst, dann sind alle Deine Strategien "Perlen vor die Säue".

Von allen Strategien, die ich an der Hand habe – und es sind mehr als diese 10 – ist keine nützlich, wenn ich sie nicht anwende. Das Wissen zu haben, was ich alles weiß, kenne und anwenden kann, ist „Perlen vor die Säue geworfen“, wenn ich es nicht tue.

Ich bin davon überzeugt, dass auch Du Strategien, Dinge, Werkzeuge, Methoden, Ideen und Wünsche hast, von denen Du weißt, dass sie Dir helfen würden. Würden. „Ja, ich weiß…. aber…“ ein Satz, der mir regelrecht Schmerzen bereitet, wenn ich ihn Menschen sagen höre. Mit dem „aber“ wirst Du nie etwas an Deinem Stress oder an Deiner Situation ändern. Das funktioniert nicht.

Ich bin ehrlich: Auch mir entweicht ab und an ein „aber“ – und das mittlerweile äußerst selten!

Mein letzter Tipp für heute – sozusagen 10 plus 1:

Immer wenn Du ein „aber“ in Deinen Gedanken findest – zum Beispiel „Ich würde ja gerne wieder mit Yoga anfangen, aber…“  – dann ersetze das „aber“ durch ein „damit“. Klingt komisch? Probiere es aus! Eine mini kleine Veränderung, die Dich ins Handeln bringt. Wenn Du es willst.

Hier nochmal alle 10 Strategien für eine Work-Life-Balance auf einen Blick:

  1. Meditation
  2. Laufen
  3. Auszeit
  4. Zulassen, Dinge nicht zu tun…
  5. Der Selbstsabotage entgegenwirken
  6. Erfolgstagebuch
  7. Ziele überprüfen
  8. Spazieren gehen und Entspannung
  9. Das Herz mitnehmen
  10. Handeln!

Bonus:
„Ich würde ja gerne mal wieder…, damit ich…“

Herzliche Grüße

Sandra

PS:
Welche Strategie möchtest Du ab sofort ausprobieren? Lass es mich gerne in einem Kommentar wissen.