Ein Hamster verlässt das Hamsterrad. Metapher dafür, wie Du aus dem Stress rauskommst.

„Das kann ja wohl nicht wahr sein!“ schimpfte ich, als ich heute eine Entdeckung gemacht habe. Eine, die mich ungläubig mit dem Kopf schütteln lässt. Einen kurzen Moment ärgere ich mich. Du fragst Dich, über wen oder was ich mich wundere? Und was das mit einem Hamsterrad zu tun hat? Lass es mich Dir verraten:

Die Verwunderung gilt keiner anderen Person, als mir selbst. Mich ärgern? Hätte ich fast getan. Gut, dass ich das Gefühl zugelassen habe, dass direkt nach dem Ärger kam: Traurigkeit. Sonst hätte ich nicht verstanden, was da gerade passiert ist!

Für Dich in diesem Artikel:
Was kannst Du in Momenten, in denen Du unter völligem Druck stehst, für Dich tun?

7 Tipps um Dein Hamsterrad zu stoppen!

Was zuvor hier bei mir geschah:

  • Ein Termin folgte auf den nächsten.
  • Neue Seminare entwickeln und durchplanen.
  • Vorträge und Workshops vorbereiten.
  • Buchhaltung.
  • Am Coaching-Programm arbeiten.
  • Einzelcoachings vorbereiten, durchführen, nachbearbeiten.

Ich war unter Zeitdruck und der Fokus lag zu 100 % in der Arbeit.
Bitte versteh mich nicht falsch: Das ist kein Jammern. Eher ein reflektieren: Was habe ich eigentlich in den letzten Wochen gemacht? Die To-Do-Listen werden nicht kleiner, der innere Druck dagegen größer. Das kann ja wohl nicht wahr sein: Die Stressreduktions-Coach ist gestresst. Na prima!

Dann passieren so komische Sachen wie:

Nicht richtig auf die Uhr schauen und erschrecken, dass ich nur noch eine Stunde Zeit zum Duschen und Essen habe, bevor ich zum Workshop losfahren muss (Wenn Du ein Mann bist, wirst Du jetzt vermutlich lächeln und denken „Ey – eine Stunde!“… Ich bin aber eine Frau und eine Stunde bedeutet STRESS 😉 ) Also tauche ich ein in den Stress, werde hektisch und überlege schon, was ich denn noch schnell essen kann um nicht mit leerem Magen da zu stehen.

Ich schaffe alles in einer Stunde, mein Zeitmanagement war perfekt. Bis auf den kleinen Moment, als ich dann feststellte:
Sch***! Ich habe mich auf der Uhr versehen… ich hatte noch zwei Stunden Zeit!

DAS WAR DANN DER MOMENT in dem ich mir sagte „Sandra, hier läuft gerade was schief!“ Wo ist Dein Fokus? Wo ist Deine Achtsamkeit? Was ist passiert? Traurig stellte ich fest: Ich habe mich aus den Augen verloren.

Das ist übrigens die Gefahr, wenn Du Deinen Job total gerne machst:

Ein abgebranntes Streichholz als Metapher für das Ausgebranntsein (Burnout)

Wenn Du für etwas brennst, verbrennst Du auch gern!

Nein, nein – keine Sorge: Ich bin nicht ausgebrannt. Der Gefahr bin ich mir jedoch bewusst.

Und was habe ich dann mit der neu gewonnenen Stunde gemacht?

Ich griff schon zur To-Do-Liste um zu schauen, wie ich die Stunde nutzen kann. Ich spürte, wie mein Kopf sich drehte, mein Atem schwer wurde und der Druck im Brustbereich zunahm. Mein Körper schickte mir also ganz deutliche Signale, die ich dank meiner Erfahrungen nicht mehr ignoriere. In diesem Moment konnte ich mir ganz leicht sagen: STOP!

Was kannst Du in Momenten unter Druck tun, um Dich wieder DIR zuzuwenden?

So kannst Du das Hamsterrad stoppen:

  1. Innehalten. Augen schließen. Atmen.
  2. Spüre in Deinen Körper.
    Wie ist Dein Herzschlag? Wie ist Dein Atem? Wie fühlt sich Dein Nacken an? Was spürst Du noch?
  3. Stelle Dir – in Ruhe, ohne Hektik – lösungsorientierte Fragen:
    • Was brauche ich jetzt?
    • Was kann ich später erledigen?
    • Was möchte ich jetzt direkt erledigen?
    • Wie kann das leicht gehen?
  4. Gestehe Dir ein, wie Du Dich gerade fühlst.
  5. Erlaube Dir eine Pause.
  6. Atme.
  7. Handle mit Bedacht. Visualisiere Deine To-Do’s.

Vielleicht denkst Du jetzt „Die hat gut reden, die sitzt in ihrem Home-Office und kann tun und lassen was sie will!“ Stimmt. Das ist so. Und gleichzeitig kannst Du selbst Dir erlauben, wenige Minuten Auszeit zu nehmen. Eine Auszeit, die das Tempo und den Druck rausnimmt. Eine Auszeit, in der Du DIR SELBST Aufmerksamkeit und Achtsamkeit schenkst.

Die Fragen, die Du Dir stellst, führen dich zu Antworten, auf die Du in Hektik und Zeitdruck (rennend im Hamsterrad) nicht kommen würdest.

Und wenn die Antwort auf die Frage „Was brauche ich jetzt?“ lautet: Frische Luft! Dann nimm Dir drei bis fünf Minuten Auszeit und gehe vor die Tür. Ja, die Arbeit bleibt liegen, keiner erledigt sie für Dich. Bleibst Du dran, besteht jetzt aber auch die Gefahr, dass Dir Fehler unterlaufen oder Du eine Denkblockade hast. Ist die Arbeit damit besser oder schneller erledigt? Nein.

Danach stellst Du Dir die weiteren Fragen. Du wirst bemerken, dass der innere Druck weniger geworden ist. Allein das bewirkt, dass Du wieder „leichter“ denken kannst.

Visualisiere Dir Deine To-Do’s – zum Beispiel in einer Mindmap (Mindmapping fördert und erleichtert das Denken und das Erinnerungsvermögen). Warum visualisieren? Raus aus dem Kopf! Dein Kopf ist in solchen Momenten völlig überfüllt mit Gedanken. Also raus damit. Auf Papier sieht die Welt schon etwas anders aus. Priorisieren wird dir leichter fallen und gelingen.

Und dann stelle Dir für Deine dringendsten Aufgaben die Frage:

Wie kann das leicht gehen?

Das ist eine ganz wunderbare Frage, ganz besonders für Perfektionisten! Mit dieser Frage gibst Du Dir die Möglichkeit, über Deinen eigenen Tellerrand hinaus zu blicken. Vielleicht kannst Du die Reihenfolge der Schritte verändern, wie Du die Aufgabe normalerweise erledigst. Vielleicht kannst Du ein oder zwei Zwischenschritte auslassen um zum Ergebnis zu kommen. Das gelingt Dir dann, wenn Du Dir selbst erlaubst auch mal „Fünf gerade sein zu lassen“. Denn:

„Stress beginnt zwischen den Ohren“

(Patrick Ries)

Und was habe ich getan, nach dem ich „STOP!“ gesagt habe? Ich legte die To-Do-Liste wieder weg und schenkte mir eine 30-minütige Meditation. Danach fühlte ich mich fit, gestärkt, in meiner Mitte und das Hamsterrad in meinem Kopf hat angehalten.

Und jetzt verrate ich Dir noch, warum ich mich über mich selbst gewundert habe und mich fast darüber geärgert habe!

Als ich diesen Artikel zu schreiben begann, erinnerte ich mich daran, dass es mir vor einem Jahr schon mal genauso ging. Wenige Tage vor meinem Urlaub schrieb ich diesen Artikel „Bloß kein Stress! Wie Du erfolgreich unzufrieden wirst.“

Mir ist aufgefallen, dass ich in ein altes Muster zurückgefallen bin, dass ich früher auch im Angestellten-Job hatte: Stress vor dem Urlaub! Hamsterrad! Plötzlich muss alles Mögliche erledigt werden, was davor wochenlang nicht erledigt wurde. Außerdem hatte ich sehr viele terminliche Fristen einzuhalten und dafür musste natürlich alles vorbereitet werden. So gut wie es ging. Irgendwann hatte ich die „Urlaubsvorbereitung“ fest in meine Outlook-Aufgaben integriert und schon ca. 4 Wochen vor dem letzten Arbeitstag – in Ruhe – mit den Vorbereitungen begonnen. Mit gutem Gewissen habe ich dann den Kollegen die organisatorischen Aufgaben für meine Abwesenheit übergeben und delegiert.

Nun bin ich seit 2,5 Jahren Einzel-Unternehmerin und durfte die Entdeckung machen, dass ich in ein altes Muster zurückgefallen bin. Das ist ja GROßARTIG! Anstatt mich darüber zu ärgern sage ich mir jetzt: Toll! Schon nach 2,5 Jahren entdeckt. Im nächsten Jahr werde ich verschiedene Dinge länger im Voraus planen, denn auch bei mir kommen ad-hoc Anfragen, die dann plötzlich Priorität haben. Und um dieses Vorhaben auch wirklich umzusetzen, überlege ich mir jetzt sofort, wie ich mich selbst daran erinnern werde, rechtzeitig mit der Planung zu beginnen! (Erledigt!)

Übrigens:
Im letzten Jahr war meine Antwort auf „Wie kann das leicht gehen?“:
Der Blog macht eine Sommerpause! Ich kann Dir sagen, diese Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen, denn ich habe den Anspruch an mich, dass meine Newsletter-Abonnenten regelmäßig Inspirationen und Tipps bekommen. Und ich habe trotzdem pausiert. Was dann geschah? Ich hatte ganz wunderbaren Zuspruch auf den Blogartikel und meine Entscheidung zur Pause.

Pause? Du kannst das auch!

Herzliche Grüße
Sandra

PS:
Wenn Du Tipps zur Urlaubsvorbereitung hast, freue ich mich, wenn Du mir und meinen Leser diese in einem Kommentar verrätst, denn auch für mich ist bestimmt etwas Neues dabei.

4 thoughts on “7 Tipps, um Dein Hamsterrad zu stoppen

  1. Ich mag den Satz „Stress beginnt zwischen den Ohren“. Deshalb atme ich regelmäßig durch und frage meinen Körper, was er jetzt gerne hätte. Das hat natürlich nur einen Sinn, wenn man dann auch hin spürt und sich dementsprechend verhält. Mir gelingt es immer besser.
    Alles Liebe
    Annette

  2. Liebe Sandra, wundervoll beschrieben…. Dein Satz “Toll, schon nach 2,5 Jahren entdeckt” ließ mich schmunzeln. Dein Satz “Wie kann das leicht gehen?” ließ mich sofort aufatmen, durchatmen und genüsslich zurücklehnen. Die Frage “Was brauch ich jetzt?” war leicht beantwortet: DEINEN Blogartikel.

    DANKE !!!! Puh hat der Artikel gut getan nach den letzten hammerharten Wochen. Ich hatte doch glatt vergessen, dass es eine Pausetaste gibt. DANKE fürs Erinnern.

    Herzliche Grüße
    Silke

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