Darf „man“ das sagen? „Einen Scheiss muss ich!“ Darf ICH das sagen? Das gehört sich doch nicht! Erst recht nicht im Business-Kontext! Was sollen denn die Leute denken? Okay… hiermit habe ich es gemacht und folge damit dem Aufruf zur Blogparade von Elke Schwan-Köhr von federführend media.

Alle weiteren Artikel findest Du auf Elkes Blog: “Einen Scheiss muss ich” bei federführend media.

Du schaust lieber ein Video als zu lesen? Hier gibt es den Blogartikel auch als Video-Blog:

Als ich von dieser Blogparade gelesen habe, musste ich leise in mich hinein schmunzeln, denn ich habe mich direkt in einer Situation mit meinem persönlichen Coach wiedergefunden. Dazu gleich mehr.

Und was sagst Du zu „Einen Scheiss muss ich!“?

Wenn das bei Dir ähnlich seltsame Bauchgefühle auslöst wie bei mir, dann sind wir vermutlich ähnlich gut erzogen und das passt nicht in unser Denken und Fühlen. Es gibt immer Dinge die man tun muss. Es gibt immer Dinge über die man so oder so denken muss. „Einen Scheiss muss ich!“ hört sich für Dich egoistisch, unverschämt, aggressiv, unpassend, übertrieben oder unmöglich an.

Macht es für Dich einen Unterschied, ob Du „Einen Scheiss muss ich!“ zu jemandem anderen sagst, oder es zu Dir selbst sagst? Für mich macht es einen Unterschied:

Der krasse Ausdruck in Fäkaliensprache – zu mir selbst gesprochen – hilft mir an meine Selbstfürsorge zu denken. Auf mich zu achten. Mir keinen Stress zu machen. Zurückzufinden in meine Balance.

Zu einer anderen Person, habe ich diesen Satz noch nie gesagt! Das ist für mich keine Art zu kommunizieren. Davon mal abgesehen, erreiche ich mit einer solchen Aussage mein Gegenüber sowieso nicht. Auf diese Person wirke ich allenfalls trotzig, bockig, kindisch, beleidigend und aggressiv. Willst Du als erwachsene Person wie ein trotziges Kind wirken? Ich nicht. Was erreichst Du mit einem solchen Verhalten bei der anderen Person? Ehrlich? Nichts. Oh doch: Eine Gegenreaktion, aber bestimmt keine, die euch zu einer Lösung führt.

Dieser Artikel soll aber kein Kommunikations-Leitfaden für gewaltfreie Kommunikation werden, sondern Dir einen Impuls geben, warum es gar nicht so schlimm ist, wenn Du zu Dir selbst ab und an sagst „Einen Scheiss muss ich!“

Raus aus Deiner Gedankenfalle!

Von meinen Klienten höre ich ganz häufig „Ich weiß, mein Stress ist hausgemacht!“ Wie der aber zustande kommt, ist den wenigstens überhaupt bewusst. Ich frage dann ganz gerne: Hörst Du Dir denn jeden Tag beim Denken zu? Ich sehe Fragezeichen in den Augen meines Gegenübers? „Beim Denken zuhören? Was meinst Du damit?“

Hier ein typischer Tagesablauf, wie ich ihn viele Jahre selbst erlebt habe:

Als Beispiel nehme ich mal einen Samstag Morgen.
Ich werde wach.

Gehirn:
Wie spät ist es? Hoffentlich habe ich nicht den ganzen Vormittag verschlafen!
Herz:
Jetzt mach mal ganz langsam. Es ist Wochenende und Ausschlafen habe ich mir verdient. Ich muss mir auch mal was gönnen.
Gehirn:
Ich muss aber das Haus putzen. Und der Garten… der Vorgarten sieht chaotisch aus, ich muss die Hecke schneiden.
Herz:
Ich könnte aber auch erst mal meditieren und dann Laufen gehen und danach mit den Arbeiten beginnen.
Gehirn:
Nein, das bringt nichts. Ich muss gleich mit dem saubermachen loslegen, sonst krieg ich heute gar nichts mehr gemacht. Also steh auf!
Herz:
Och… ich bleibe noch ein bisschen liegen.
Gehirn:
Außerdem muss ich noch das Seminar für nächste Woche vorbereiten – nicht, dass ich das schon wieder auf den letzten Drücker mache! Das wird dann nichts.
Herz:
Ich muss auch mal auf mich achten und nicht immer nur arbeiten.
Gehirn:
Ich muss aufstehen!

Ich stoppe hier lieber mal.

Darf „man“ das sagen? „Einen Scheiss muss ich!“ Darf ICH das sagen? Das gehört sich doch nicht! Erst recht nicht im Business-Kontext! Was sollen denn die Leute denken?

Meine Laune war regelmäßig hinüber, noch bevor ich aus dem Bett gestiegen bin.

Ich konnte mich selbst nicht leiden und mit dieser Einstellung war ich auch nicht die angenehmste Begleiterin für meine bessere Hälfte 😉

Dir möchte ich den weiteren Tagesverlauf ersparen, denn Hirn und Herz führten ihre Dialoge stets den ganzen Tag weiter. Gnadenlos. Ohne Rücksicht auf Verluste. Immer.

„Ja genau! So ist das bei mir auch! Weshalb ist das so?“ fragen mich dann meine Klienten.

Das hat mit Deinen Glaubenssätzen zu tun.

Unsere Gedanken, unsere „Selbstgespräche“ und unsere inneren Bilder, begleiten uns ständig in unserem Leben. Sie bestimmen ob wir zuversichtlich oder ängstlich sind, ob wir schlecht gelaunt sind, ob wir völlig gestresst an eine Sache herangehen. Sie beflügeln unsere Kreativität, sie sind unser Antriebsmotor.

Gleichzeitig können uns unsere Gedanken und inneren Bilder blockieren und unsere „Selbstgespräche“ können uns subjektiv und objektiv handlungsunfähig machen.

Glaubenssätze sind Teil unseres Unterbewusstseins und stark mit unseren Werten und Erfahrungen verknüpft.

Unsere Glaubenssätze sind „Wahrheiten“, von denen wir fest überzeugt sind. Sie prägen unser Denken, Handeln und Fühlen. Allerdings, wenn wir an etwas glauben, dann ist das nur eine mögliche Sicht auf die Dinge und diese muss nicht immer die Wahrheit sein.

Das ständige „ICH MUSS…“ in meinem Beispiel ist MEIN hausgemachter Stress. Mir war schon lange bewusst, dass es diese „Ich-muss-Gedanken“ sind, die mir einen solchen inneren Druck machen, dass ich mich gehetzt fühle. „Aber wie krieg ich das weg?“ stellte ich mir häufig selbst die Frage.

Die tägliche Meditation half mir schon sehr dabei. Das Erlenen von Achtsamkeit, im Hier und Jetzt zu sein machte mich deutlich ruhiger und gelassener. Doch ich wollte an den Kern des Übels.

Mithilfe meines Coaches deckte ich viele Glaubenssätze auf, die mir bis dahin nicht bewusst waren. Hinter dem ständigen und andauernden „ich muss“ stecken verschiedene (meiner) Glaubenssätze:

  • Ich muss jedem gerecht werden (nur mir nicht)
  • Ich schaffe es nicht
  • Ich kann es nicht
  • Es steht mir nicht zu…
    • mich auszuruhen
    • glücklich zu sein
    • mich zu freuen

Klingt irgendwie „krass“ – oder? Das ist unser Unterbewusstsein. Das sind die Dinge, die uns nicht bewusst sind, die nicht greifbar sind, die aber „etwas“ mit uns machen. Mit mir, mit Dir und mit anderen auch.

Und dann kam die Situation mit meinem Coach:

Als ich mit ihm darüber sprach, woher diese Glaubenssätze kommen und vor allem, wie ich mit ihnen in Zukunft umgehen kann, sagte ich freundlich und zaghaft „Eigentlich MUSS ich ja gar nichts…“ und meinte damit die mir selbst auferlegten Regeln, Ziele und Aufgaben, die rein in meiner Verantwortung liegen und niemanden anderen betreffen.

Seine Reaktion war:

„Sandra, das hast Du jetzt aber sehr freundlich ausgedrückt. Kannst Du dieser Erkenntnis auch etwas mehr Nachdruck verleihen? So, dass Du es auch wirklich verstehst?“

Meine Reaktion daraufhin:

„Jaaa okay, Du hast Recht…”

“EINEN SCHEISS MUSS ICH!“

Wir lachten beide herzhaft, dass dieser Satz aus meinem Munde kam.

Am Anfang dieses Artikels fragte ich Dich:

Macht es für Dich einen Unterschied, ob Du „Einen Scheiß muss ich!“ zu jemandem anderen sagst, oder es zu Dir selbst sagst?

Mit „zu Dir selbst sagen“ meine ich also nicht, in Gedanken über einen anderen schimpfen, so dass er oder sie es nicht hört. Nein, ich meine damit, dass Du Dir diesen Satz dann sagen kannst, wenn Du Dir beim Denken zuhört und merkst,

  • dass Du nur mit Dir am Meckern bist,
  • dass Du Dir Regeln auferlegst und Ziele setzt, die im Hier und Jetzt irrational sind,
  • dass Du Dir so viel Aufgaben vornimmst, dass Du geradezu scheitern musst und in Folge dessen in Stress gerätst.

Auf dieses Spielchen zwischen Hirn und Herz, die so munter im Dialog sind, lasse ich mich heute nicht mehr ein. Wenn die Beiden in ihre Diskussion einsteigen, trete ich einen Schritt neben mich, sage Stopp! und setze meine Entdecker-Brille auf und frage mich:

  • Das ist ja spannend! Was passiert denn da gerade?
  • Ist das so, wie ich das jetzt gerade sehe oder denke?
  • Was will ich wirklich?
  • Will ich das wirklich?
  • Wie sieht die Situation aus, wenn ich von oben drauf schauen würde?

Mit diesen Fragen, bin ich auf einer rationalen Ebene. So reduziere ich den Stress in diesem Moment.

Du kannst das auch!

In diesem Sinne:

„Einen Scheiss muss ich!“

Herzliche Grüße
Sandra

Wenn Dir der Artikel oder das Video gefallen hat, hinterlasse mir doch einen Kommentar 🙂

2 thoughts on “Einen Scheiss muss ich! Raus aus der Gedankenfalle

  1. Liebe Sandra,
    ich kenne diesen Dialog so gut und den Tipp, hier ganz bewusst ein Stopp einzuziehen werde ich sicher beim nächsten Mal ausprobieren. Die Blogparade von Elke hat uns da wirklich einen tollen Nährboden für Gedankenanstöße geliefert – ganz besonders für unsere Sprache, egal ob mit uns selbst oder mit anderen, das habe ich ja auch in meinem Beitrag beschrieben.
    Ich wünsche dir viele, viele muss-freie Mußestunden!
    Alles Liebe Margit

    1. Liebe Margit,
      Danke für Deinen Besuch und Deinen Kommentar.
      Die “Muss-freien-Mußestunden” gefallen mir besonders gut. Ein schönes Wortspiel von der Wortspielerin 😉

      Herzliche Grüße
      Sandra

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