Letzte Aktualisierung 14. Januar 2021

„Ich will endlich gehört werden“, sagte Christina in einer unserer Coaching-Sitzungen. „Ich bin es so satt, dass alle von mir erwarten, dass ich springe, wenn sie rufen!“ Ob das ihre Eltern sind, ihr Ehemann, ihre Arbeitskollegen, Chefs und: „Sogar meinen Kindern ist schon egal was ich sage!“ Ihr war klar: „Ich will das nicht mehr!“

Fremdbestimmt. Ausgelaugt. Energielos. Verzweifelt.

Etwas mir Wichtiges vorab: Der Name meiner Kundin ist geändert und zusätzlich hat sie diesen Artikel vorab gelesen und der Veröffentlichung zugestimmt.

Christina kam zu mir ins Coaching, weil sie sich seit langer Zeit gestresst fühlte. Fremdbestimmt. Ausgelaugt. Energielos. Verzweifelt. Ihren Frust und Kummer futterte sie regelmäßig in sich hinein und in den letzten zwei Jahren ist der Zeiger ihrer Waage auf über 90 kg gewandert. Mit dem Resultat: „Und unattraktiv finde ich mich jetzt auch noch!“ Doch an diesem Tag ging es nicht um die Kilos auf den Hüften, sondern um den kiloschweren Kloß in ihrem Hals. Dort saß so Vieles: All‘ die Dinge, die sie nicht ausspricht, noch nie angesprochen hat und von denen sie bis dahin gar nicht wusste, was all das Unausgesprochene „mit ihr macht“. Am Liebsten würde sie ab und zu einfach mal sagen: Einen Scheiß muss ich!

Christina erzählte mir von typischen Alltagssituationen, die sie mittlerweile „wahnsinnig machen“.

Warum du nicht gehört wirst und wie du das ändern kannst

„Mein Mann und ich haben völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, wie und mit wem wir unser Weihnachtsfest verbringen wollen. Er möchte, dass wir mit unseren Kindern an Hl. Abend und am ersten Weihnachtstag bei seinen Eltern sind. Ich fühle mich dort nicht wohl. Er weiß das, sagt aber, dass ich mich an Weihnachten ja mal zusammenreißen kann. Ich würde aber viel lieber mal ausschlafen und dann Zeit für die Menschen haben, die ich gerne sehen möchte. Und ich möchte Zeit mit meiner Familie (mit ihm und den Kindern) verbringen. Gemeinsam spielen.“

Christina erzählte weiter und irgendwann unterbrach ich sie behutsam. Ich fragte sie:

Und was wünschst du dir wirklich?

Sie schaute mich mit großen Augen an. „Wie meinst du das?“, fragte sie zurück. Ich wiederholte: Was ist dein Wunsch?

Ihr kamen die Tränen. „Sandra, das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht mehr!“ Sie war es nicht gewohnt, dass sie Wünsche äußern darf. Irgendwann im Laufe des Heranwachsens hat sie ihre Wünsche zurückgestellt und sich um „alle“ gekümmert. Das ist aktuell auch ihre Rolle. Sie ist die „Kümmerin“: im Job, in ihrer Familie, für ihre Eltern. Nur um eine Person hat sie sich noch nie gekümmert: Um sich selbst.

Sie stellte selbst fest:

„Anstatt das zu sagen, was ich mir wirklich wünsche, bin ich ständig in einer Art ‚Vorwurfskommunikation‘ (und mein Mann auch).“:

  • Man könnte, müsste, sollte…
  • Eigentlich…
  • Schuldzuweisungen wie, „Ich tu was für dich, tu du auch was für mich…“
  • Anstatt um Hilfe zu bitten, räume ich allen hinterher und meckere dann auch noch rum, weil mir ja keiner hilft.
  • Ich bin ständig am Schimpfen.

Wir pickten uns das Weihnachtsthema aus ihren Alltagsbeispielen heraus und ich fragte sie nochmal:

Was wünschst du dir wirklich? Und: Welchem Bedürfnis möchtest du damit nachkommen? Was brauchst du?

Rede, wenn du gehört werden willst

Mit Hilfe eines Kommunikationsmodells haben wir eins ihrer Beispiele mal genau betrachtet und dabei habe ich ihr nach und nach Fragen gestellt, die sie direkt so formuliert hat, als würde sie mit ihrem Mann darüber sprechen:

  • Was ist das Problem? Was ist das Thema? Und zwar ganz sachlich. Ohne Emotionen und ohne Schuldzuweisungen.
    • „Ich möchte Weihnachten mit dir und den Kindern alleine verbringen“
  • Was macht dieses Thema mit dir? Wie geht es dir damit? Was denkst du? Was fühlst du?
    • „Ich bin traurig, dass wir an Weihnachten so wenig Zeit miteinander haben.“
    • „Ich fühle mich gestresst, wenn wir an jedem Weihnachtstag irgendwo zu Gast sind.“
  • Wie siehst du ihn und euch grundsätzlich? Wie stehst du zu ihm und zu euch?
    • „Ich finde wir sind ein tolles Team – als Paar und als Eltern.“
    • „Ich bin dankbar dafür, was du alles für die Kinder und mich machst.“
  • Was soll am Ende rauskommen? Was willst du wirklich? Was ist deine konkrete Erwartung?
    • „Ich wünsche mir Zeit zum miteinander Kuscheln und zum Spielen mit den Kindern und dir.“
    • „Ich wünsche mir einfach nur mal Zeit zu Hause. In den eigenen vier Wänden.“
    • „Ich wünsche mir Verständnis von dir, wenn ich nicht mitfahre zu deinen Eltern und habe kein Problem damit, wenn du mit den Kindern alleine zum Mittagessen hinfährst und wir am Nachmittag wieder zusammen sind.“

Wenn sich dir jetzt gerade die Nackenhaare stellen, weil an jedem Satzanfang ein „Ich“ steht, dann verstehe ich das. Ich erlebe immer wieder, dass Menschen sagen „Ich, ich, ich – das geht gar nicht!“ und „Ich habe früher immer gesagt bekommen, dass ich nicht so Ichbezogen sein soll!“

Vielleicht gehörst du zu der Generation (wie ich auch), die das Sprichwort „Der Esel nennt sich immer zuerst“ mehr als einmal zu hören bekam. Gemeint ist: Sich selbst als erstes zu nennen ist egoistisch und unhöflich.

Das prägt. Und ist im Kontext „miteinander reden“ längst überholt!

Und nun lies mal folgende Sätze und spüre den Unterschied:

So wirst Du nicht gehört
  • Du willst Weihnachten immer nur zu deinen Eltern, anstatt die Zeit mit deiner eigenen Familie zu verbringen.
  • Es regt mich auf, dass du an Weihnachten keine Zeit für mich hast.
  • Immer müssen wir durch die Gegend fahren und von einem Tisch zum anderen hetzen.
  • Nie haben wir Zeit miteinander.
  • Von mir aus kannst du mit den Kindern alleine zu Deinen Eltern fahren und ich bleibe hier.

Wie wirkt das auf dich?
Auf mich wirkt es vorwurfsvoll und trotzig.

Hat Christina im zweiten Beispiel ihre Bedürfnisse kommuniziert? Nein.
Ist Christinas Mann Hellseher? Vermutlich nicht.

Der kleine, große Unterschied, wenn du gehört werden willst

Es macht einen riesengroßen Unterschied ob du in ICH-Botschaften das kommunizierst, was Du wirklich fühlst, denkst und was du dir wünschst. Oder ob du in DU-Botschaften das sendest, was du glaubst, was der andere dir antun will.

Nach diesem und zwei anderen Beispielen hat Christina festgestellt: „Ich sage nicht das, was ich sagen möchte.“ Und ich habe für sie ergänzt: Wie sollen die anderen dich erhören, wenn du selbst nicht weißt, was du wirklich willst?

Wie sollen die anderen dich erhören, wenn du selbst nicht weißt, was du wirklich willst?

Als ich am Ende der Sitzung fragte, was denn ihre heutige Erkenntnis sei, sagte sie:

„Meine Erkenntnis ist: Mensch – hör‘ auf, an sämtlichen Baustellen zu optimieren, sondern beginne deine Kommunikation zu verändern und der Rest ergibt sich dann ganz von selbst!“

Mit „Baustellen optimieren“ meinte sie ihre persönlichen „Baustellen“, ihre Themen, die sich für sie wie ein endlos großer Berg anfühlten, den sie vermutlich nie bezwingen kann (so ihr Glaube).

Das Schöne ist:
Wenn wir erst einmal neue Blickwinkel kennenlernen, kann es manchmal ganz einfach sein!

Für Christina war es das:

Im weiteren Verlauf unserer Zusammenarbeit stellte sie tatsächlich fest, dass sich einige ihrer „Baustellen“ wie von selbst erledigt haben. Ihr Alltag wurde weniger stressig.

Sie hat ihre Art zu kommunizieren verändert und war immer wieder „völlig von den Socken“, wie einfach es sein kann.

Heute wird Christina gehört

Am Ende unserer Zusammenarbeit sagte sie:

Sie wird gehört
  • Etwas über Kommunikation zu wissen und es anzuwenden sind zweierlei Dinge.
  • Ich kann Grenzen setzen.
  • Wir haben als Familie eine ganz andere Ebene gefunden.
  • Ich kann jetzt aktiv um Hilfe bitten und bekomme sie auch.
  • Ich sage die Dinge, die ich sagen möchte und ich kann es wertfrei sagen.
  • Ich reagiere nicht mehr so impulsiv (z. B. „was liegt hier schon wieder alles rum“), sondern kann anders auf die Dinge schauen und eine andere Perspektive einnehmen.

Kommt dir das bekannt vor?
Welche „Baustellen“ willst du optimieren?

Lass uns reden. In einem kostenlosen Kennenlerngespräch.

Herzliche Grüße

Sandra

Dein Leben darf leicht sein.

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