Du bist gerade in totalem Stress und schuld daran ist Dein Chef, weil er nicht in die Gänge kommt um die Stelle des ausgeschiedenen Kollegen neu zu besetzen. Du bist total gestresst, weil alles an Dir alleine hängen bleibt, keiner hilft Dir im Haushalt und niemand nimmt Dir mal die Kinder für eine Stunde ab. Schuld ist Dein (Ehe-)Partner. Du bist totunglücklich, weil sie Dich verlassen hat, noch bevor es richtig anfing. Wäre sie bei Dir geblieben, dann wäre alles gut – es ist ihre Schuld!

Erkennst Du Dich in einem der Sätze wieder? An wem liegt es gerade, dass es Dir nicht gut geht? Dass Du Dich gestresst fühlst?

Ich sage es mal mit den Worten des Dalai Lama:

„Solange Du glaubst, dass an allem immer nur die Anderen Schuld sind, wirst Du viel leiden.“

Wenn Du jetzt den Impuls hast, diesen Artikel weg zu klicken, dann lohnt es sich für Dich, ihn trotzdem zu lesen. Ich möchte Dich mit diesem Artikel nicht verärgern. Ich möchte Dir eine neue Perspektive anbieten. Ich weiß selbst sehr gut, wie verblendet ich früher in bestimmten Situationen war. Rückblickend denke ich, dass es mir sehr geholfen hätte, wenn ich die Dinge mal durch eine andere Brille gesehen hätte. Gut gemeinte Ratschläge von Freunden und Familienmitgliedern haben mir nicht geholfen. Bestätigungen der Personen, die in die gleiche Kerbe schlugen wie meine eigene Sichtweise, haben mich auch kein Stück weitergebracht. Also los:

Wem Du die Schuld gibst, dem gibst Du die Macht

Es mag für Dich provokant klingen, und doch sage ich Dir: Wenn Du die Schuld bei anderen suchst, gibst Du die Verantwortung für Dein Leben ab. Du begibst Dich permanent in eine Opferrolle. Wenn Du das nur oft genug tust und Du es in Dein Leben integriert hast, dann bist Du irgendwann (vielleicht gerade jetzt?) mitten in einer Abwärtsspirale drin, aus der es immer schwerer wird, auszusteigen.

Wer ist wirklich schuld?

Immer dann, wenn Du denkst er oder sie ist schuld, dann lenkst Du Deinen Fokus nach außen und gibst die Macht über Dein Lebensgefühl, über Deine Verantwortung ab. Wie ist die Vorstellung für Dich, den Fokus mal nach innen zu lenken? In Dich? Was findest Du dort vor? Auf welche Gefühle triffst Du da?

Wie gut gelingt Dir das?

In meiner Arbeit treffe ich kontinuierlich auf Menschen, die keinen Zugang zu ihren Gefühlen haben. Wenn ich nach den Gefühlen frage, die jemand in einer ganz konkreten Situation erlebt hat, dann kann meist nur ein oder sogar gar kein Gefühl benannt werden. Was mir stattdessen genannt wird, sind Gedanken.

Ein Beispiel:

Vielen Menschen fehlt der Zugang zu ihren Gefühlen.
Coaching-Situation: Im Vordergrund eine Klientin (Hinterkopf). Fokus liegt auf der Coach Sandra, die auf ein Flipchart zeigt, auf dem Gedanken und Gefühle der Klientin notiert sind.

Sandra:
„Was hast Du in dieser Situation gefühlt?“
Klient:
„Es war ein Gefühl von <<Das kann er doch nicht machen!>>“
Sandra:
„Das ist kein Gefühl, das ist ein Gedanke.“
Klient:
„Ah okay. Dann war es ein Gefühl von <<Das gehört sich doch nicht!>>“
Sandra:
„Das ist wieder ein Gedanke.“

Wenn beim zweiten oder dritten Versuch immer noch kein Gefühl beschrieben werden kann, biete ich mal Gefühle in Form von Worten an:

„Warst Du wütend?“ oder „Warst Du verletzt?“ oder „Warst Du traurig?“ oder… Mit diesen „Angeboten“ öffne ich eine kleine Tür zur Gefühlswelt meines Klienten und dann kommt manchmal sehr emotional (still oder laut) ein „ich fühlte mich hilflos“ oder „ich war gekränkt“.

Was ich Dir damit sagen will ist, dass ich immer wieder erlebe, dass Menschen ihre Gefühle und Emotionen überdecken. Gefühle können sehr unangenehm sein. Sich mit ihnen auseinander zu setzten kann anstrengend sein. Es gibt Gefühle, die wollen wir einfach nur „weg“ haben, weil es so weh tut. Manche Gefühle wollen wir nach außen nicht zeigen, weil wir vielleicht angreifbar oder verletzlich werden. Lieber runterschlucken und weitermachen. Bloß nichts anmerken lassen. Augen zu und durch.

„Augen zu und durch“ als Überlebensstrategie

Diese Überlebensstrategie hat zur Folge, dass Du Dich mehr und mehr von Dir selbst entfernst. Du bist nicht nur Dein Verstand. Du bist auch Dein Herz, Deine Emotion, Dein Gefühl – irgendwo dazwischen verbirgt sich Deine Seele. Du trennst Dich von Dir selbst ab. Du verlierst Dich selbst aus den Augen und Dein Fokus ist im Außen.

Deine Überlebensstrategie ist, dass Du Erklärungen im Außen findest.

  • „Erst wenn sie sich endlich für mich entscheidet, dann kann ich glücklich sein.“
  • „Erst wenn der Chef die Stelle des Kollegen neu besetzt, dann kann ich einen Gang zurückschalten, dann kann ich mich wieder um mich kümmern und mal entspannen. Erst dann lässt der Stress nach.“
  • „Erst wenn er mir im Haushalt hilft, kann ich mal etwas für mich tun.“

Vielleicht ärgerst Du Dich jetzt schon wieder über mich und in Gedanken sagst Du mir, dass Du ja schon Gespräche geführt hast und warum das alles auch überhaupt nicht funktionieren kann. Ertappt? Dann bist Du schon wieder in der Opferrolle.

Liebe Leserin, lieber Leser,

es geht mir nicht darum, hier den Zeigefinger zu erheben und Dir zu sagen, dass Du „falsch“ bist, dass Du etwas in Deinem Leben „falsch“ machst. Es liegt mir auch fern, Dir Wunden zuzufügen. Das, was ich hier angesprochen habe, erlebe ich ständig bei Klienten und Seminarteilnehmern. Und ich sage Dir was: Das macht mich jedes Mal total traurig. Es macht mich traurig, weil Dir noch niemand gesagt hat, wie essentiell wichtig es für Dich ist, den Fokus auf Dich zu setzen.

Und weil es Dir noch niemand gesagt hat, sage ich es jetzt.

Meine Kunden wünschen sich von mir stets, dass ich ehrlich zu Ihnen bin. Dass ich sie auf ihre blinden Flecken hinweise. Auf genau die Dinge, die sie einfach nicht sehen. Auf die Dinge, die sie verlernt haben. Dein blinder Fleck ist das, was andere an Dir sehen oder von Dir wissen, doch Du selbst weißt nichts davon. Wir sprechen hier vom Fremdbild und vom Selbstbild. Ich sage dazu oft:

Wenn es um uns selbst geht, dann sind wir gerne schon mal betriebsblind!

Auch ich bin betriebsblind und habe meine blinden Flecken. Ich weiß, dass mein blinder Fleck schon mal viel größer war als heute und gleichzeitig würde ich mir nicht anmaßen zu sagen „Ich bin sooo reflektiert, ich habe keinen blinden Fleck.“

Übrigens war ich Diejenige, die sich dauerhaft über die Geschäftsführung beschwert hat, weil sie die notwendigen Stellen nicht besetzt hat. Sie war schuld, dass es mir schlecht ging. Das war damals der Status quo, als ich mich schon mitten im Burnout befand und bald darauf zusammengebrochen bin. Auch noch Jahre danach machte ich die Geschäftsführung dafür verantwortlich.

Es kam der Zeitpunkt, an dem ich verstanden habe, wer für dieses Burnout verantwortlich war. Das war einzig und allein ich selbst. Ich war schuld.

Schuld.

Das ist ein sehr hartes Wort, wenn ich es auf mich selbst richte. Und schon wieder würde ich mich in der Opferrolle befinden:

Ich war selbst schuld, dass ich täglich 12 bis 14 Stunden gearbeitet habe. Ich war selbst schuld, dass ich innerhalb von 6 Monaten alle Mängel in dieser Organisation beheben wollte. Ich war selbst schuld, dass ich das hab mit mir machen lassen. STOPP!

Schluss damit.

Helfen Dir solche Gedanken weiter? Nein. Ich musste den Kern des Problems finden. Aus welchen Gründen habe ich mich dazu entschieden so viele Überstunden zu machen, alles tip-top und perfekt zu machen und am Ende jede Menge Lob und Gehalt einzukassieren?

Weshalb ticke ich so? Was lässt mich so sein? Wie kann ich das ändern?

Und damit komme ich zurück zum Anfang dieses Artikels:

Nimm Deinen Stress selbst in die Hand

Immer dann, wenn Du nach Schuldigen suchst, dann lenkst Du Deinen Fokus nach außen und gibst die Macht über Dein Lebensgefühl ab. Du gibst die Verantwortung für Dein Leben ab. Wie ist die Vorstellung für Dich, den Fokus mal nach innen zu lenken? In Dich? Was findest Du dort vor? Auf welche Gefühle triffst Du da?

Es wird Zeit für Dich zu entdecken, was Dir WIRKLICH Stress macht, was Dich SO SEIN LÄSST und vor allem, wie Du das ÄNDERN kannst.

Neulich rief mich eine Frau an. Sie klang verzweifelt, als sie mir erzählte, wie es ihr geht, wie sie sich gegenüber ihren Kindern verhält und was sie alles von sich selbst abverlangt. Eine Sache hatte sie zu diesem Zeitpunkt schon verstanden: Es macht keinen Sinn, die Schuld im Außen – bei den Anderen – zu suchen. Am Ende ihrer Erzählung fragte sie unter Tränen „Warum bin ich so?“

Im Coaching schauen wir nun gemeinsam:

  • Was sie antreibt,
  • welche Stressfaktoren ganz konkret die ihren sind,
  • in welche Fallen sie immer wieder hinein läuft.

Dabei halten wir uns nicht ständig in der Vergangenheit auf und fragen, woher die Probleme kommen. Viel wichtiger ist es, Lösungen dafür zu finden, worauf Du Dich fokussierst, wem oder was Du stets nachgibst und was DU ganz allein dafür tun kannst, dass sich das Leben leichter anfühlt.

Ein letzter Satz zur Schuld

Ich habe dieses Wort weitestgehend aus meinem Wortschatz gestrichen. Denn immer dann, wenn ich die Frage nach der Schuld stelle, dann zeige ich mit dem Finger auf einen Menschen: „Du bist schuld!“ Der Finger kann entweder auf jemand Anderen zeigen oder auf Dich selbst und das ist kein schönes Gefühl.

Ich lasse den Dalai Lama nochmal zu Wort kommen:

„Solange Du glaubst, dass an allem immer nur die Anderen Schuld sind, wirst Du viel leiden.“

Du kannst Dein Leiden beenden.

Du bist Gestalter*in Deines Lebens.

Du bist Schöpfer*in Deines Glücks.

Nimm Deinen Stress selbst in die Hand.

Herzliche Grüße

Sandra

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