Wie häufig benutzen SIE das Wort STRESS? Wie häufig hören Sie in Ihrem Umfeld – von ihren Mitmenschen, Kollegen, Freunden – wie sehr diese vom Stress geplagt sind? Ist das für Sie immer nachvollziehbar? Fühlen Sie selbst sich gerade total gestresst?

Was ist Stress, was macht Stress und wie gehen Sie damit um?

Wenn wir heute von Stress sprechen, dann meinen wir in der Regel den Dauerstress auf der Arbeit (Arbeiten Sie noch oder Leben Sie schon?), die Verantwortung die Sie im Job und im Privatleben tragen, die Verpflichtungen, denen Sie Tag ein Tag aus nachkommen müssen. Sie haben kaum Ruhe oder Zeit für sich selbst (Lasst mich doch alle in Ruhe!), fragen sich ständig warum der Tag so wenige Stunden hat und fallen abends todmüde und genervt ins Bett.

Okay… fühlt sich für mich schon stressig an, wenn ich das hier schreibe. Aber das allein, meint nicht STRESS.

Stress ist das, was in unserem Körper passiert, wenn der Körper auf „Flucht“ aus ist.

Evolutionär betrachtet, gerät der Körper in Stress, wenn Gefahr lauert. Und zwar echte Gefahr. Zum Beispiel das Raubtier, das bei der Jagd um die Ecke kommt und mir klar wird: Flüchte oder stirb! Puls und Blutdruck steigen, alle Sinne sind geschärft, die Atmung wird schneller, die Muskeln spannen sich an. Der Körper schüttet Stresshormone aus und stellt in Sekundenbruchteilen zusätzliche Energie zur Verfügung – wir können blitzschnell reagieren. Hier läuft ein biochemischer Prozess in unserem Körper ab, der letztlich ordentliche Mengen an Cortisol ausschüttet. Cortisol, auch Stresshormon genannt, ist ein körpereigenes Hormon, das in der Nebennierenrinde gebildet wird und das an vielen Stoffwechselvorgängen unseres Körpers beteiligt ist.

Der heutige Stress, der fast schon zum guten Ton gehört, hat allerdings weniger mit Flucht und Lebensgefahr zu tun, so dass das ausgeschüttete Cortisol durch die ausbleibende körperliche Anstrengung (z. B. vorm Raubtier wegrennen) nicht abgebaut werden kann. Der Körper befindet sich ständig im Alarmzustand, hat aber kein Ventil um den inneren Druck abzubauen.

Die Folge sind ernsthafte Erkrankungen und/oder Burnout.

Die dauerhafte Cortisolausschüttung führt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere Bluthochdruck und infolge Herzinfarkt und Schlaganfall. Der Blutzuckerspiegel ist erhöht und die Folge Diabetes. Auch das Immunsystem leidet unter diesem „Stress“ – wir werden immer häufiger krank.

Das Empfinden von Stress ist individuell

Was der eine als Stress empfindet, ist dem anderen gerade eine gesunde Auslastung.

  • Wir alle sind von unterschiedlicher Konstitution.
  • Wir alle haben unterschiedliche Einstellungen.
  • Wir alle haben unterschiedliche Persönlichkeitsanteile und vor allem hat jeder einzelne auch seine eigene Geschichte.

Wir wissen nicht immer, welche Sorgen, Probleme und vielleicht sogar Ängste, jeder einzelne mit sich rumträgt. Und das sind wiederum Stressfaktoren, die nicht zu unterschätzen sind.

Was sind das für FAKTOREN, die psychosozialen Stress begünstigen oder auslösen?

Die „Liste“ könnte von A bis Z reichen und ist wiederum von Mensch zu Mensch verschieden. Lassen Sie uns gemeinsam mal einen Blick darauf werfen:

  • Ständige und/oder hohe Konzentration. Das kann für den Arbeiter am Fließband gelten, genauso wie für den Arzt am OP-Tisch.
  • Große Verantwortung, die es zu tragen gilt. Zum Beispiel für Mitarbeiter oder Patienten (ob Arzt oder Krankenschwester) oder Schutzbefohlene.
  • Mobbing am Arbeitsplatz
  • Der eigene Perfektionismus. Übersteigerte Ansprüche an sich selbst und auch an andere.
  • Chronische und/oder unterschwellige Konflikte – ob in der Paarbeziehung oder am Arbeitsplatz.
  • Schicksalsschläge oder schwerwiegende Lebensereignisse. Der Tod eines lieben Menschen oder die Trennung vom (Ehe-)Partner.
  • Ständiger Termindruck und Zeitmangel.
  • Dauerhafte Unterforderung im Job ebenso, wie die dauerhafte Überforderung.
  • Äußere Reize wie zum Beispiel Lärm.
  • Versagensängste. Angst, nicht gut genug zu sein oder Angst davor Fehler zu machen.
  • Existenzängste wegen Geldsorgen oder Schulden.
  • Schichtarbeit, die in den natürlichen Biorhythmus eingreift und den Schlaf-Wach-Rhythmus stört.
  • Krankheit und Schmerzen.
  • Das Gefühl von Bedrohung – im Sinne von Respektlosigkeit oder Angst vor Arbeitsplatzverlust oder sogar aus Angst vor dem eigenen Scheitern.

Sie sehen, die Liste ist lang und bestimmt nicht vollständig. Treffen eine oder mehrere Faktoren auch auf Sie zu?
Ich finde, demnach steht uns nicht zu, über andere zu urteilen, ob diese nun „wegen dem bisschen (sichtbaren) Stress“ so wenig belastbar sind.

ABER! Ich finde auch,

Stress hat etwas mit der eigenen Haltung zu tun!

Es gibt sicherlich immer mal einen der zuvor genannten Faktoren, der gerade in ein Leben Einzug hält. Wenn das nicht gleich mehrere sind, ist da häufig auch der Stress, den wir uns selber machen.

Nun werden Sie vielleicht wütend reagieren, weil Sie ja gerne ihren Stress reduzieren würden, der Chef aber nichts an der Situation ändert, keine weiteren Mitarbeiter eingestellt werden, die dauernden Sparmaßnahmen die Sie einhalten müssen und die Kinder und das Haus müssen schließlich auch versorgt werden!!!

Ja. Das stimmt.

Die Frage ist aber, was können SIE tun, damit SIE sich weniger gestresst fühlen?

Vor meinem Burn-out, vor 15 Jahren, habe ich gemeckert und geschimpft, weil ich ja „keine andere Wahl hatte“. Ich schimpfte über die Geschäftsführung, die mir zu wenig und noch dazu unqualifiziertes Personal zur Seite stellte. Mir taten die Menschen leid, die meiner Meinung nach unter den Umständen zu leiden hatten. Ich rannte der Geschäftsführung die Tür ein um auf Missstände aufmerksam zu machen. Doch nichts änderte sich.

Ich machte weiter. Stets meinem eigenen, höchsten Anspruch folgend. Pflichtbewusst, qualitativ hochwertig und es allen recht machend. Der Laden lief. Fantastisch. Alle waren zufrieden… nur nicht ich selbst! Nichts änderte sich… AUCH NICHT ICH SELBST!

Ja, ich weiß, wie schwer es ist einfach mal zu sagen: „Okay, dann mach ich ab sofort einfach weniger!“ Kann sein, dass Sie so überhaupt nicht ticken, auch das würde Ihnen auf Dauer nicht guttun.

Ja, ich weiß, wie schwer es ist, Lösungen für dieses Problem zu finden! Sie stecken so sehr in diesem System, in Ihren Rollen, in Ihren Tätigkeiten und Prozessen, dass es kaum mehr möglich ist, die Dinge mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten um Dinge verändern zu können.

Was hat das jetzt mit Haltung zu tun?

  • SIE sind es, die/der Stress überhaupt zulässt!
  • SIE sind es, die/der nichts an den Dingen verändert. Ich kann die Anderen nicht ändern, ich kann nur mich selbst ändern. (Wenn nichts mehr geht! 5 Schritte in die Veränderung…)
  • SIE entscheiden, welche Dinge oder Umstände Sie stressen und welche nicht!

Sie dürfen mir glauben, das sind keine Floskeln. Und vielleicht werden Sie denken, dass ich mir das alles schönrede. Okay – das ist Ihr gutes Recht. Vor über 15 Jahren, hätte ich das genauso gesehen.

Ich habe es geschafft, Stress in meinem Leben keine Chance mehr zu geben. Ich musste dafür zusammenbrechen und krank sein. Ich durfte danach lernen, mindestens 3 Gänge zurück zu schalten. Ich durfte lernen, dass 100 % reichen und ich keine 200 % abliefern muss. Ich durfte lernen, meinen eigenen Maßstab zu korrigieren – und zwar zu einem gesunden Maß. Ich durfte lernen Stopp zu sagen – insbesondere zu mir selbst. Ich durfte lernen, auf die Signale zu hören, die mein Körper mir sendet, wenn es zu viel wird, anstatt sie „wegzudrücken“.

Und Sie dürfen mir noch etwas glauben:

Sie können das auch!

Bleiben Sie gesund!

Herzliche Grüße

Ihre

Sandra Liane Braun

Wenn Sie sich fragen, ob Sie vielleicht schon kurz vor einem Burnout stehen, dann laden Sie sich doch mein kostenloses eBook herunter,  in dem Sie erste Antworten finden.

PS:
Zählen Sie zu den Menschen, die all das schon hinter sich haben und möchten anderen Menschen Mut machen? Hinterlassen Sie diesen Menschen hier einen Kommentar. Werden Sie zum Mutmacher und Botschafter – das würde mich sehr freuen.

PPS:
Dieser Artikel ist Teil 2 einer dreiteiligen Serie. Teil 1 finden Sie hier: Was ist ein Burn-out? Teil 3 hier: Zusammenbruch und der erste Tag in Ihrem neuen Leben

4 thoughts on “Stress lass nach! Wenn Ihr Körper im Alarmzustand ist…

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