Zunächst mal eine kleine Rechnung hinsichtlich unserer LEBENSARBEITSZEIT.
Gehen wir mal von durchschnittlich 250 Arbeitstagen im Jahr aus, von einer 5-Tage-Woche, mit 30 Tagen Urlaub (für viele Arbeitnehmer schon ein Luxus!). Dann arbeiten Sie:

  • 8 Stunden am Tag
  • 40 Stunden in der Woche
  • 160 Stunden im Monat
  • 1.760 Stunden im Jahr

Eintausendsiebenhundertundsechzig Stunden Ihres Lebens in einem Jahr…

Und nun überlegen Sie sich mal, wieviel Zeit Sie mit schönen Dingen verbringen?

  • Zeit für sich allein
  • Zeit mit Ihrem Partner, Ihrer Partnerin
  • Zeit mit Ihren Kindern
  • Zeit mit Freunden
  • Zeit für Ihr Hobby, für Ihre Leidenschaft, für Freude und Spaß
  • Zeit für Dinge, die Sie anspornen, die Sie in einen Flow bringen

Selbst, wenn Sie zum Beispiel sagen „…es sind ja nur noch 15 Jahre bis zur Rente…“  Ich frage: NUR?

Ich weiß ja nicht, wo Sie gerade stehen in Ihrer Lebensarbeitszeit – rein in Jahren gesprochen.

Ich weiß auch nicht, wie es Ihnen dabei geht. Ich kann auch nur eine Ahnung davon haben, wie viele Menschen es in unserem Land gibt, die einer Arbeit nachgehen um einer Arbeit nach zu gehen.

  • Wie viele Menschen sind gerade massiv überfordert mit der Menge an Aufgaben, Aufgabengebieten, Verantwortungsbereichen? Mit dem Druck durch Zielvorgaben und Provisionsabhängigkeiten?
  • Wie viele Menschen sind gerade unglaublich gelangweilt in ihrem Job? Gelangweilt, weil sie ihre PS nicht auf die Straße bringen können. Weil ganz viel Wissen, Neugierde, Kreativität und Herzblut in ihnen steckt, sie es auf ihrer Stelle aber nicht zum Einsatz bringen können. Weil es die Stelle nicht hergibt, oder sogar, weil es von Vorgesetzten nicht gewünscht ist, dass sie sich entsprechend einbringen oder gar entwickeln können.
  • Wie viele Menschen gehen täglich zur Arbeit, weil sie dafür bezahlt werden? Weil sie vielleicht denken, dass es nichts Interessanteres für sie gibt. Weil sie vielleicht denken, dass sie nichts Anderes können – schlimmstenfalls hat diesen Menschen das sogar jemand eingeredet (meist der Mensch selbst, weil er auf dem Weg zum Erwachsenen genau das immer suggeriert oder sogar gesagt bekam).

Ich weiß nicht, zu welcher dieser Gruppen SIE gehören, oder ob Sie überhaupt zu einer dieser Gruppen gehören. Wenn nicht, haben Sie möglicherweise ihren Traumjob gefunden und tun genau das was sie lieben. Das ist ein ganz wunderbares Geschenk und für viele Menschen erstrebenswert.

Wie viele Jahre „müssen“ Sie noch arbeiten?

Möchten Sie diese verbleibende Zeit wirklich am Limit arbeiten? In Langeweile arbeiten und ihr Potential dahin sickern lassen? Oder im Glauben hängen bleiben „ich kann nichts Anderes…“

Möchten Sie das wirklich?

Neulich kam eine Klientin zu mir ins Coaching. Sie kündigte ihren Job, weil sie merkte „so kann es nicht weitergehen!“ Sie wollte dem Druck nicht länger standhalten. Nicht länger am Limit laufen, nicht länger keine Freizeit mehr haben und sich nicht länger in ein System integrieren von dem sie spürte, dass es ihr nicht mehr guttut. Die Unternehmenskultur entwickelte sich in eine Richtung, die sie mit ihren Werten nicht mehr vereinbaren konnte.

Nun kam sie zu mir, denn die Kehrseite der Medaille war die Frage „Aber was will ich wirklich?“ „Wo stehe ich eigentlich gerade in meinem Leben – Anfang 50 – und wo will ich hin? Was ist mir wirklich wichtig?“

Bis zu unserem ersten Treffen schaute sie unaufhörlich auf ihre Kompetenzen und Stärken, die sie in ihrem bisherigen Job ausmachten. Aber sie hatte keine Ahnung, was genau davon von Bedeutung ist, um nochmal neu anzufangen. Ihr ist zwar klar gewesen, was sie NICHT mehr will, aber was von dem was sie kann und was sie ausmacht ist von Bedeutung für etwas Neues?

Ihr war nicht mehr klar, was genau sind eigentlich ihre Werte, Wünsche und Ziele. Diese fehlende Klarheit und einige andere Umstände nagten an der „eigentlich vorhandenen“ Selbstsicherheit, Stabilität und Zuversicht.

Eintausendsiebenhundertundsechzig Stunden Ihres Lebens in einem Jahr…

Gedanken rauf, Gedanken runter. Ideen entwickeln, Selbstzweifel Einkehr gewähren. Mehr Frust statt Lust, nur Qual aber keine Wahl!

Glauben Sie wirklich, dass Sie keine andere Wahl haben? Glauben Sie wirklich, dass Sie Eintausendsiebenhundertundsechzig Stunden Ihres Lebens in einem Jahr so verbringen möchten?

Glauben Sie wirklich, dass dieser Zustand einfach so an Ihnen vorbeizieht ohne dabei Spuren zu hinterlassen? Hören Sie mal in sich hinein und beantworten sich folgende Fragen:

  • Was DENKE ich gerade?
  • Was FÜHLE ich jetzt?
  • Was ERLEBE ich gerade körperlich?
  • Was WILL ich jetzt?
  • Was BRAUCHE ich jetzt?

Meiner Klientin, und auch vielen anderen Menschen, denen ich bisher begegnet bin, fiel es unglaublich schwer, diese Fragen zu beantworten. Häufig fehlt Menschen der Zugang zu ihrer Gefühlswelt. Sie sind nicht mehr in der Lage zwischen Gedanken und Gefühlen zu unterscheiden. Gefühle sind auch körperlich spürbar – gerade diese Verbindung ist bei vielen Menschen „irgendwie verschütt gegangen“. Sie fragen sich, wovon ich da eigentlich rede? Ich möchte Ihnen ein paar Beispiele von mir aufzeigen:

Das Gefühl von Freiheit, fühlt sich in meiner Brustgegend warm an. Das Gefühl von Leichtigkeit fühlt sich in meinem Herzen leicht an. Das Gefühl von „in meiner Mitte sein“ spüre ich an einem sicheren und festen Stand mit meinen Füßen auf dem Boden. Ein Gefühl von Verzweiflung spüre ich als Druck im Brustkorb, mein Herz schlägt schneller und meine Stirn krampft sich zusammen.

Meine Klientin – eigentlich sehr empathisch und sensibel – hat den Zugang zu ihren Gefühlen wiedergefunden. Sie hat erkannt, was ihr jetzt gerade wichtig ist und was sie für sich braucht und dadurch hat sie einen Großteil ihrer inneren Sicherheit zurückgewonnen und blickt wieder mit mehr Zuversicht auf ihre Zukunft. Sie sagt, dass ihr das nun eine Unterstützung für ihr weiteres Handeln ist.

Das können Sie auch! Also denken Sie daran:

  • 8 Stunden am Tag
  • 40 Stunden in der Woche
  • 160 Stunden im Monat
  • 1.760 Stunden im Jahr
  • Eintausendsiebenhundertundsechzig Stunden Ihres Lebens in einem Jahr…

ARBEITSZEIT IST LEBENSZEIT!

Ich wünsche Ihnen

leichte Entscheidungen, Zuversicht und Zufriedenheit und ganz einfach das, was SIE zum glücklich sein brauchen.

Herzliche Grüße

Sandra Liane Braun

PS:
Wenn Sie Ihren Herzens-Job gefunden haben, erzählen Sie mir und meinen Lesern, wie sie ihn gefunden haben und was SIE dafür getan haben – einfach hier unter diesem Artikel in der Kommentarfunktion. Inspirieren Sie Menschen und machen Sie anderen Mut. Ich freue mich!

Bildnachweis:
Titelbild: ©.shock – Fotolia
Bild im Text: © Sergey Nivens – Fotolia

5 thoughts on “Arbeiten Sie noch oder leben Sie schon?

    1. Hallo Andrea,
      das hört sich so an, als wüsstest du worüber ich schreibe 😊 Schön, dass du den Ausgleich gefunden hast… Naturfreundin 🍀
      Liebe Grüße an Dich
      Sandra

  1. Liebe Sandra,
    großartiger Artikel! Sehr mutmanchend, sehr kraftvoll…
    Ich denke eine sehr wichtige Voraussetzung dabei ist Mut. Etwas anders zu machen, als es der Großteil der Gesellschaft tut. Ich bin froh darüber, dass ich schon immer diese Ehrlichkeit zu mir selbst hatte, und schon vor dem Studium wusste: ich will so ein Leben garantiert nicht haben. Für mich hilft es, bei Entscheidungen einmal folgende gegnfrage zu stellen: wie geht es mir (später, am Ende meines Lebens, oder schon morgen) wenn ich etwas NICHT tue. Bei mir bewirkt es Wunder. Ich kann dann genau differnzieren, was wirklich wichtig ist in meinem Leben, und wo ich lang gehen muss. Bei meinem absoluten Herzen-job bin ich noch nicht ganz angelangt, aber da ich noch jung bin, ist das glaube ich okay. (-; Gut Ding will Weile haben, und ich bin auf dem Weg. Danke und alles Liebe!

    1. Liebe Caro,
      vielen Dank für deinen bereichernden Kommentar! Bereichernd deshalb, weil ich mich darüber freue, wie ein junger Mensch reflektiert seinen Weg geht! Mit deiner Frage „Wie geht es mir (später, am Ende meines Lebens, oder schon morgen) wenn ich etwas NICHT tue?“ hast du für dich ein wunderbares Selbst-Coaching-Tool entwickelt, dass ja nahezu in jeder Lebenssituation anwendbar ist. Die Frage ist übrigens sehr gut! Auch wenn du – wie du schreibst – den „absoluten Herzen-Job“ noch nicht ganz erreicht hast – wichtig ist, dass es dir bewusst ist und du somit alle Türen offen hast, deine persönlichen Ziele zu formulieren und den Weg dafür vorzubereiten. Auf diesem Weg wünsche ich dir viel Erfolg, schöne Erlebnisse und auch lehrreiche Erlebnisse – nicht immer ist alles „Zuckerschlecken“ – aber genau das ist es, was (Lebens-) Erfahrung ausmacht.
      In diesem Sinne:
      Herzliche Grüße
      Sandra

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