Gefangen oder Frei?

Stress hat viele Gesichter. Hört man den Menschen zu, dann ist es meist die Arbeit, die schrecklich stresst und krankmacht. In der Regel ist es nicht allein die Arbeit, denn es gibt ganz viele Stressfaktoren, die uns oftmals nicht bewusst sind. (Hier sind z. B. 7 Stressmacher, die Sie vermutlich nicht auf dem Schirm haben)

Wenn es um Stress geht, dann sprechen wir von inneren und äußeren Stressfaktoren (auch Stressoren genannt), die sich nämlich unterscheiden:

Äußere Stressfaktoren sind leichter zu erkennen, das heißt, es sind die, die uns oftmals bewusst sind – sie wirken von außen auf uns.
Zum Beispiel:

  • Straßenlärm
  • Zeit- und Termindruck
  • Kälte oder Hitze
  • Ärger mit Kollegen
  • Schwierige Aufgaben

Äußere Stressoren kann man gegebenenfalls „einfach abstellen“ oder durch ein verändertes Zeit- und Selbstmanagement in den Griff bekommen.

Innere Stressfaktoren sind uns in der Regel nicht bewusst, sie sind nicht greifbar und entscheidend ist: Wir tragen Sie in uns – geprägt durch unsere Erfahrungen und Werte. Sie führen leicht zur Überforderung und somit mitten in den Stress. Zum Beispiel:

  • Ihre eigene Einstellung und wie Sie Dinge bewerten
  • Hohe Ansprüche an Sie selbst
  • Ihre Erwartungen
  • Perfektionismus

Im Gegensatz zu den äußeren Stressoren sind sie nicht so leicht „abzustellen“. Sie verlangen eine gute Selbstreflexion.

In diesem Artikel geht es um äußere Stressfaktoren, um Stressmacher bei der Arbeit, im Job, in der Firma:

Eingemauert und gestresst am ArbeitsplatzEr ist an all diejenigen gerichtet, die denken „das wird schon wieder“ – „lass dich nicht stressen“ – „ich muss da durch“ – „ich muss stark bleiben“ …

Was genau macht Ihnen Stress?

  • Ist es der Chef?
  • Ist es der Konflikt mit einem Kollegen?
  • Ist es die Menge an Aufgaben?
  • Ist es die Umstrukturierung, die mit vielen Veränderungen einhergeht und Veränderungen fallen Ihnen schwer?

In diesem Artikel komme ich 7 weiteren Stressmachern auf die Spur, die wirklich mit Ihrer Arbeit zu tun haben, dabei ist die Reihenfolge willkürlich gewählt und stellt kein Ranking dar.

 

Stressmacher Nr. 1:

„Ich habe Angst um meinen Arbeitsplatz“

Diese Angst ist keine seltene und sie darf auch nicht unterschätzt werden. Es ist menschlich, wenn Sie sich dauerhaft Sorgen machen, ob Sie in der nächsten Einsparungswelle auch betroffen sind und die betriebsbedingte Kündigung ins Haus flattert. Die damit einhergehende, dauerhafte Sorge und (unterschwellige) Angst, kann Sie wirklich krankmachen – sowohl organisch, als auch seelisch. Es ist also völlig „normal“, dass Sie das stresst.

Fragen, die Sie sich stellen können:

  • Kann ich etwas an der Situation verändern?
  • Möchte ich etwas an der Situation verändern?
  • Wenn ja, was und wodurch?

 

Stressmacher Nr. 2:

„Ich erhalte keine Anerkennung für meine Arbeit“

Vor kurzem saß eine Seminarteilnehmerin vor mir und weinte. Unter anderem sagte Sie: „Ich bekomme keine Anerkennung mehr, nachdem ich von meiner geliebten Stelle auf eine andere versetzt wurde“. Dabei meinte sie nicht, dass man sie ständig loben müsse und ihr auf die Schulter klopfen solle. Sie erhielt über viele Jahre Anerkennung dadurch, dass Lieferanten und Schnittstellen in den kniffligsten Fragen und den heikelsten Situationen zu ihr kamen und um Hilfe baten. Wenn Sie dann die Probleme gelöst hat, keine Verluste entstanden sind und die Beteiligten ihr für Ihre Arbeit dankten, dann war das Ihre Anerkennung, die sie dankbar und erfüllt sein ließen. Jetzt vegetiert sie vor sich hin – ohne Lieferanten- und Schnittstellenkontakte. Sie weiß nicht, wie sie die letzten 5 Jahre bis zur Rente in dieser Langeweile aushalten soll.

Nach einem Impulscoaching sah Sie einige Dinge klarer, hat ein Gespräch mit dem Vorgesetzten vorbereitet und wird neue Schritte einleiten, an die sie zuvor noch nicht gedacht hat. Ihr wurde bewusst, dass sie das nicht noch 5 Jahre aushalten kann und möchte. Ihr Wunsch: „Ich will wieder atmen können!“

 

Stressmacher Nr. 3:

„Meine Arbeit langweilt mich zu Tode. Ich fühle mich total unterfordert.“

Haben Sie schon mal von dem Begriff „Boreout“ gehört? Es ist – von der Entstehung her – das krasse Gegenteil zum Burnout! Hätte ich es nicht selbst erlebt, würde ich diesen Begriff (der noch nicht wissenschaftlich beschrieben wird) hier nicht verwenden. Es gab eine Zeit, da habe ich über den Begriff „Boreout“ gelächelt und sagte „musste was Neues her…“. Dann kam der Zeitpunkt in dem ich sagte „Ich langweile mich auf der Arbeit zu Tode!“. Ich war geistig und kognitiv nicht gefordert, bzw. ausgelastet. Meine Arbeit erschien mir stumpf und langweilig. Ich konnte meine PS nicht auf die Straße bringen. Ich wurde gleichgültig und fast schon depressiv. Ein „Boreout“ – wenn Sie keine Konsequenzen aus der Langweile ziehen – führt Sie letztlich in ein Burnout, bzw. sind die Symptome die gleichen.

Apropos Symptome: Die sind ja sehr vielschichtig, diffus und sehr unterschiedlich. Wenn Sie sich fragen, ob Sie ein Burnout haben, dann laden Sie sich mein kostenloses eBook herunter, in dem Sie Antworten auf diese Fragen finden: eBook: So erkennen Sie, ob Sie kurz vorm Burnout stehen!

 

Stressmacher Nr. 4:

„Ich arbeite im Schichtdienst“

Wer im Schichtdienst arbeitet hat bestimmt schon gehört, dass dadurch der natürliche Biorhythmus gestört ist. Besonders Nachtdienst, ist für den Körper eine große Belastung – nämlich Stress! Menschen in Schichtarbeit leiden vermehrt unter Schlafstörungen und in Folge dessen ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Magen-Darm-Erkrankungen erhöht.

Im Pflegeberuf habe ich auch im Schichtdienst gearbeitet. Für mich war das seelisch eine große Belastung. Bei Spät- und Nachtschicht hatte ich immer das Gefühl, dass das Leben an mir vorbeirennt, weil soziale Kontakte kaum möglich waren. Das machte mich oft traurig und immer öfter wurde mir bewusst: Das ist nicht mein Leben!

 

Stressmacher Nr. 5:

„Ich arbeite mehr als 50 Stunden in der Woche und für Urlaub habe ich keine Zeit!“

Herzlichen Glückwunsch! Rennen Sie weiter in Ihr Unglück! Das mag für Sie zynisch und sarkastisch klingen. Ist es auch, aber es ist die Wahrheit.

Nicht jeder Mensch, der so arbeitet muss gleich im Burnout enden – die Einen sind widerstandsfähiger als die Anderen und jeder hat andere Strategien um mit Stress umzugehen.

Und doch ist diese Arbeits- und Denkweise Stress für Ihren Körper – früher oder später meldet er sich zu Wort. Möglicherweise meldet sich auch Ihre Familie zu Wort (haben Sie überhaupt Familie?) und „macht Ihnen Stress“, weil Sie so wenig zu Hause sind und keine Zeit für gemeinsame Unternehmungen haben.

 

Stressmacher Nr. 6:

„Auf meiner Arbeitsstelle ist es schrecklich laut“

Ein andauernder Geräuschpegel – und das müssen keine lauten Maschinen sein (dort tragen Sie dann ja auch einen Gehörschutz) – macht auf Dauer krank! Zwei beispielhafte Geräuschkulissen:

In der Kindertagesstätte

Unterschiedliche Untersuchungen ergaben, dass in fast 30 % der untersuchten Einrichtungen Lärmpegel von 85 dB(A) gemessen wurden. Bei dieser Lautstärke müssten die Erzieherinnen (laut Arbeitsschutzverordnung) Gehörschutz tragen. Weitere ca. 60 % der Einrichtungen lagen zwischen 80 – 85 dB(A) und nur 12,5 % unter 80 dB(A).  Zum Vergleich: Maschinenlärm (Kreissäge, Trennschleifer) können in Spitze 110 dB(A) aufnehmen.

Laut VDI-Richtlinie „Beurteilung von Lärm am Arbeitsplatz unter Berücksichtigung unterschiedlicher Tätigkeiten“ (eine anerkannte akustische Grundregel von Arbeitslärm) sollten als messbare Einflussgrößen folgende Pegel nicht überschritten werden:

  • 70 dB(A) bei einfachen oder überwiegend mechanisierten Bürotätigkeiten und vergleichbaren Tätigkeiten
  • 55 dB(A) bei überwiegend geistigen Tätigkeiten

Im Großraumbüro

Und hier spreche ich von Großraumbüros, die architektonisch und bezogen auf die Raumausstattung, nicht für ein Großraumbüro vorgesehen sind, dennoch aber mehrere Mitarbeiter darin arbeiten. Beispiel:

3 Mitarbeiter in einem 35 qm Raum, 3 Telefone die ständig klingeln, immer mindestens 1 Kollege der telefoniert, Durchgangsbüro zum Chef, Kundenverkehr und „Plauder-Treffpunkt“ für Kollegen aus angrenzenden Büros. An konzentriertes Arbeiten oder „in Ruhe arbeiten“ ist dort nicht zu denken. Das ist nicht für jeden Menschen eine Belastung, aber diejenigen die es belastet, leiden sehr darunter und reagieren mit psychosomatischen Beschwerden.

Lärm beeinträchtigt nicht nur die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit, sondern ist auch Mitursache zahlreicher psychosomatischer Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Bluthochdruck.

 

Stressmacher Nr. 7:

„Die Kommunikation im Team ist schlecht“

Hört sich banal an? Kann aber verdammt belastend sein!
Für mich als Coach ist aber auch die Frage wichtig: „Was ist schlechte Kommunikation und was ist eine gute Kommunikation?“ Was gut und schlecht ist, empfindet jeder Mensch unterschiedlich. Fakt ist, dass es auf Dauer sehr belastend ist, wenn Sie das Gefühl haben, dass zum Beispiel,…

  • …Informationen nicht oder nur unzureichend fließen. Dass Sie dadurch immer wieder unter Zeitdruck geraten, weil Sie sich die Infos mühsam zusammensuchen müssen. Oder dass Sie wegen fehlender Informationen bei Vorgesetzten oder in Präsentationen in offene Messer laufen. Es schwingt die Frage oder das Gefühl mit: „Machen die das absichtlich?“ Ich stelle aber auch die Frage nach den Arbeitsprozessen – vielleicht ist darin „der Hund begraben“?
  • …es Kollegen gibt, mit denen Sie immer wieder aneinander rasseln, weil Sie mit der Art und Weise wie er oder sie mit Ihnen spricht einfach nicht zurechtkommen. Von Seminarteilnehmern höre ich beispielsweise „der hat so einen Befehlston“ oder „die lässt mich nicht ausreden“ oder „er redet so von oben herab“ – alles Beispiele die zumindest auf eine nicht wertschätzende Kommunikation hinweisen.

 

Dies sind nur einige Stressmacher, die Ihre Arbeit betreffen, tatsächlich gibt es noch mehr – alle zusammen, würden diesen Artikel sprengen. Ich werde sie zu einem späteren Zeitpunkt aufgreifen.

Hier nochmal auf einen Blick:

  1.      „Ich habe Angst um meinen Arbeitsplatz“
  2.      „Ich erhalte keine Anerkennung für meine Arbeit“
  3.      „Meine Arbeit langweilt mich zu Tode. Ich fühle mich total unterfordert.“
  4.      „Ich arbeite im Schichtdienst“
  5.      „Ich arbeite mehr als 50 Stunden in der Woche und für Urlaub habe ich keine Zeit!“
  6.      „Auf meiner Arbeitsstelle ist es schrecklich laut“
  7.      „Die Kommunikation im Team ist schlecht“

 

Wenn Sie sich jetzt fragen „Und was kann ich daran ändern?“, dann habe ich nicht DIE Antwort für Sie!

  • Erstens, sind SIE einzigartig. Nicht für alle Menschen gilt die gleiche Lösung und nicht für alle Menschen gibt es DAS Rezept.
  • Zweitens, sind die genannten Stressfaktoren ganz individuell – alle gemeinsam haben sie „nur“, dass Sie Ihnen auf Dauer körperlichen und seelischen Stress bescheren.

Manchmal hilft ein Perspektivenwechsel:

Wenn ich die Situation nicht verändern kann, dann muss ich mich verändern.

Wenn Ihre Arbeit Sie zum Beispiel über- oder unterfordert.

Manchmal hilft die Einstellung:

Ich schenke nur den Problemen meine volle Aufmerksamkeit, die ICH wirklich beeinflussen kann.

Wenn Sie zum Beispiel Angst davor haben, bei der nächsten Kündigungswelle auch betroffen zu sein. Dann kann eine Strategie sein, dann aktiv darüber nachzudenken was zu tun ist, wenn eine Kündigung tatsächlich eintritt.


Im Coaching
würden wir zum Beispiel IHRE ganz eigenen Stressfaktoren finden und filtern:

  • Welche bereiten Ihnen am meisten Stress?
  • Welche können kurzfristig verändert oder gar „abgestellt“ werden?
  • Welche Maßnahmen sind denkbar und machbar?

Sie priorisieren, gemeinsam entwickeln wir Ihre Ziele, Ihre Möglichkeiten, Ihre Strategien und natürlich auch Ihre weitere Vorgehensweise. Alles in Ihrem Tempo. Ich bin zuständig fürs Gedanken sortieren, fürs Reflektieren, fürs Feedback geben und für Methoden, damit Sie Ihren Weg zur Lösung finden.

Mein Wunsch für Sie:

Bleiben Sie gesund!

In diesem Sinne,

Herzliche Grüße
Ihre
Sandra Liane Braun

PS: Was macht Ihnen Stress bei der Arbeit? Wenn Sie möchten, lassen Sie es mich in einem Kommentar unter dem Artikel wissen.

 

 

 

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