Von Bildern und Einstellungen

Aufgeschnappt:
Die Praktikantin sagte ihrem Lernbegleiter „Die Bilder sind leider schlecht geworden!“ „Warum?“ fragte der Fotografenmeister? Sie antwortete ihm „Hm…, es lag wohl an den falschen Einstellungen!“

„Das ist ja mal eine schöne Metapher!“, stellen meine Freundin und ich belustigt fest!

Wenn also jemand ein schlechtes Bild von etwas oder jemandem hat, dann liegt es an der falschen Einstellung! Als Coach sage ich „JA! Genauso ist es!“

Kennen Sie den Unterschied zwischen WAHRNEHMUNG und VERMUTUNG?

Sie nehmen wahr, dass Ihr Mitarbeiter, Ihr Partner, etc. sehr still da sitzt. Die Mundwinkel zeigen nach unten, der Kopf ist nach unten geneigt, er vollzieht keine Handlung. Ich würde jetzt vermuten, dass dieser Mensch traurig ist. Sie vermuten möglicherweise, dass dieser Mensch schlecht gelaunt ist. Jemand anderes vermutet vielleicht sogar, dass dieser Mensch einfach nur faul ist.

Das ein und selbe BILD, löst in jedem einzelnen von uns eine andere VERMUTUNG aus. Wir sprechen im aktuellen Beispiel also von 3 (!) unterschiedlichen EINSTELLUNGEN auf das BILD, das sich vor uns darstellt.

Warum ist das so?
Jeder von uns schöpft aus seinen Erfahrungen, aus seinen Erlebnissen, aus der eigenen Sicht auf die Dinge und auf die eigene Sicht der Welt. Jeder von uns nimmt ganz subjektiv nur einen Teil der Realität wahr und bewertet die Dinge anders. Jeder von uns trägt seine ganz eigene Landkarte in sich und zieht seine Schlüsse aus all dem. Erschwerend hinzu kommt auch unsere eigene, innere, aktuelle Verfassung! Haben Sie sich gerade eben über schlechte Kennzahlen geärgert oder hat ein Kunde gerade einen wichtigen Auftrag erteilt? Wie fühlen Sie sich jetzt? Was macht das mit Ihrem Bild auf den besagten Mitarbeiter?
Hinzu kommt, dass wir alle sehr unterschiedliche Menschentypen sind und jeder Typ Mensch auf einen konträren Typ mit mehr oder weniger Verständnis reagieren. Auch hier gilt es, die Situation aus der Sicht des anderen zu beleuchten.

Was passiert?
Ihr Mitarbeiter sitzt also still da – mit nach unten gezogenen Mundwinkeln und nach unten geneigtem Kopf. Er vollzieht keine Handlung. Eine mögliche Reaktion aus Ihrer Vermutung könnte sein: „Der hat mal wieder keine Lust zu arbeiten!“ oder „Der sollte am Wochenende einfach mal weniger feiern, dann wäre er am Montag auch ausgeschlafen und bei der Sache!“ oder „Ich bezahle den doch nicht fürs Nichts-Tun!“.

Ich frage Sie:
Was wäre, wenn Sie Ihre Vermutung aussprechen würden? Sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung? Sie können den Mitarbeiter persönlich treffen, in dem Sie im vorbei gehen ihren Unmut äußern. Sie können ihn aber noch persönlicher treffen – und zwar offen und ehrlich:

„Herr Meier? Sie wirken so still auf mich. Ist bei Ihnen alles in Ordnung?“ – ganz ohne Bewertung.

Herr Meier wird reagieren! Sollte er gerade in Sorge sein oder sich nicht wohl fühlen, wird er Ihnen dankbar sein, dass sie so aufmerksam sind und sich mit einem guten Gefühl der Arbeit widmen oder zumindest in Zukunft an den Moment denken. Sollte er tatsächlich einfach nur keine Lust haben und die Tage bis zum Wochenende zählen, fühlt er sich „ertappt“ aber keineswegs persönlich angegriffen.

Probieren Sie es einfach mal aus und verändern Sie Ihre EINSTELLUNG zu den BILDERN, die sich Ihnen zeigen. Hierbei unterstütze ich Sie und Ihre Mitarbeiter gerne!

(Anmerkung: „Herr Meier“ ist frei erfunden und bezieht sich auf keine mir bekannte Person oder Situation!)

5 thoughts on “Von schlechten Einstellungen und Bildern

  1. Hallo Sandra. Mir fällt dazu spontan ein Satz aus einer ZEN-Geschichte ein: „… Wer jedoch nur Ochsenscheiße hat im Geist, der sieht nur Ochsenscheiße überall …“ Vielleicht etwas robust formuliert, passt aber: Was ich in der Welt sehe wird vor allem von meinen Erfahrungen und meinem Charakter geprägt.

    Lg, Michael

    1. Danke Michael fürs Lesen und deinen Gedanken dazu. Manchmal trifft eine kernige Aussage eben genau auf den Punkt! 🙂

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