Kennen Sie das auch? Lange an etwas festhalten und grübeln und dann: Plötzlich wissen Sie genau, was zu tun ist!? Bis dahin ist in der Regel schon viel passiert – zumindest bei den Menschen, die so ähnlich ticken wie ich. Es ist ein Prozess des Überlegens, des Leidens, des Geduld Übens, des Abwägens. Sie sagen sich immer wieder, dass Sie eigentlich etwas verändern müssten, doch es fällt so schwer.

So ging es mir (sogar schon zwei Mal) in meinem Berufsleben. Eins habe ich über die Jahre verstanden: Veränderung fällt mir verdammt schwer! Selbst diese Erkenntnis war nicht leicht einzugestehen – ich will doch innovativ und beweglich sein. Das bin ich auch, aber ich habe meine Grenzen.

Die heutige Frage lautet:

Wissen SIE was Sie antreibt? Warum stehen Sie morgens auf?

Heute weiß ich ganz genau, warum ich morgens aufstehe: Ich tu genau DAS, was ich liebe!

Sie fragen sich, wie ich das herausgefunden habe? Nun – ich erzähle Ihnen meine Geschichte (Achtung – viel Text 😉 )

Mit zarten 15 Jahren wusste ich schon: Ich möchte entweder „etwas mit Menschen machen“ oder „kreativ sein“. So richtig entscheiden konnte ich mich nicht, als die Zeit für Entscheidungen gekommen war. Kurz vorm Beenden der 10. Klasse flatterte ein persönliches Angebot ins Haus. Mir wurde eine Ausbildungsstelle als Fotografin angeboten. „Genial!“, denn Fotografieren war seit meinem 10. Lebensjahr eine Leidenschaft!  Der Ausbildungsplatz stellte sich schnell als ein Flopp heraus und ich freute mich, nochmal zur Schule gehen zu dürfen! Und das mit einem konkreten Ziel: Fachabitur und dann Sozialpädagogik studieren. Das war 1992.

Ich bin heute keine Sozialpädagogin – aber irgendwie nah dran 😉

Ich hatte immer einen Plan B in der Tasche und als junger, unabhängiger Mensch, fand ich schnell Lösungen, wenn sich mir Steine in den Weg legten.

So wurde aus dem Studium der Sozialpädagogik eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester – hätte ich nicht nach dem Minimalprinzip gelernt, hätte ich auch den Numerus Clausus erreicht, der just in dem Jahr erstmals gefordert wurde, als ich mich an den Fachhochschulen bewarb.

Die Kinderkrankenschwester – örtlich völlig flexibel und mit sehr gutem Staatsexamen – fand aber keine Stelle, denn mein Ausbildungsende fiel mitten in die damalige Gesundheitsreform. Kürzungen hier und Stellenabbau dort. Also, Ärmel hochkrempeln und genau das tun, was ich nie tun wollte: Alte Menschen pflegen. Ich gewöhnte mich ganz schnell an die Situation und an die Veränderung – vom kranken Kind zum alten Menschen. Der Plan war: Bis zum Studienbeginn arbeiten.

Und dann kam alles anders…

Beruflicher Aufstieg – Risiken und Nebenwirkungen finden Sie NICHT im Beipackzettel!

Nach nur zwei Monaten im ambulanten Pflegedienst, war meine Chefin von meiner Arbeit dermaßen angetan, dass sie mir die Stelle der stellvertretenden Pflegedienstleitung anbot, inklusive Kostenübernahme für die 3-jährige Ausbildung zur Pflegemanagerin. „WOW!“ Das war ein tolles Angebot. Ich blieb!

Ich war motiviert, ich war begeistert, ich war kreativ und fleißig und ich konnte mit Menschen arbeiten! Ich bin sehr strukturiert, ein Organisationstalent, Perfektionistin, denke und arbeite lösungsorientiert.

Ich hatte alles im Blick! Alles! Außer mich selbst!

Als Pflegedienstleitung kümmerte ich mich um Leitungsaufgaben. Ich war auch  Qualitätsmanagementbeauftragte und entwickelte mit der Geschäftsleitung das QM-Handbuch und Standards. Ich schulte die Mitarbeiter, ich leitete sie an und begleitete Praktikanten und Auszubildende in ihrer Ausbildung. Ich organisierte wöchentlich die Teamsitzungen, schrieb Dienstpläne, führte Mitarbeitergespräche. Ich war auch in der Pflege tätig. Ich kümmerte mich um unsere Patienten und die Angehörigen. Ich war Führungskraft, Beraterin, Coach und Sterbebegleiterin. Ich arbeitete im Schichtdienst und hatte Rufbereitschaft. Zwölf Tage am Stück arbeiten, zwei Tage frei. Jahr für Jahr.

Alle meine Aufgaben waren mir wichtig und machten mir Spaß – natürlich manche mehr und andere weniger. Die Menschen, mit denen ich arbeiten durfte waren mir unglaublich wichtig und ich lebte meine mir wichtigen Werte – Vertrauen, Respekt, Offenheit, Ehrlichkeit und Fleiß. Mein Antrieb war, dass es den Menschen gut ging (sowohl meinen Patienten, als auch meinen Mitarbeitern).

Arbeitsprozesse optimieren, vereinfachen, effizient gestalten, lag mir ebenso am Herzen wie mein hohes Qualitätsbewusstsein. Eigenschaften und Werte, die mir Erfolg einbrachten – auf allen Ebenen.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Natürlich übersetzt in Ihren eigenen Job!

 

Ich wünschte mir nur noch Ruhe!

Wenn mich zu dieser Zeit Familie und Freunde fragten, wie es mir geht, hörten Sie von mir „Ja, der Job ist schon stressig, aber macht echt Spaß!“ Irgendwann hörten sie von mir „Puh – ich hätte gerne mal wieder ein paar freie Tage am Stück.“ Und „Ich würde gerne mal wieder zur Ruhe kommen!“.

Ich wünschte mir irgendwann nur noch einen klaren Kopf, Schlaf, Urlaub.

Ich saß in einem Topf Wasser und merkte nicht, dass irgendjemand das Feuer darunter angezündet hat. Das Wasser wurde heißer und heißer, bis es kochte… ich mittendrin und kam nicht mehr aus diesem Topf heraus.

 

 

Ich wurde krank. Rechtsseitige Gesichtslähmung. „Gut aussehen“ war anders.

Diesen Warnhinweis nahm ich zwar ernst, aber nicht ernst genug. Mir war klar: „Etwas“ muss sich ändern!

Wenn Sie wissen wollen WAS sich ändern muss, dann schauen Sie mal hier: Wenn nichts mehr geht! 5 Schritte in die Veränderung…

Ich nahm einen neuen Job an und erklomm die Karriereleiter. Ich wurde Pflegedienstleitung im Betreuten Wohnen eines Pflegeheims und im angegliederten Ambulanten Dienst. Ich dachte, als Führungskraft auf dieser Ebene, kann ich mehr bewegen und naiver Weise glaubte ich auch, dass ich meine Zeit besser einteilen kann. Ich musste erfahren, dass ich als Pflegedienstleitung einerseits zwar Vieles bewirken und gestalten kann, andererseits aber von einer Geschäftsführung abhängig bin, die mir z. B. mehr qualifiziertes Personal zur Verfügung stellen muss. Ich litt mental und körperlich unter den Umständen, die ich mit meinen Werten, mit meinen ethischen Grundsätzen, nicht vereinbaren konnte.

 Sind Sie sich Ihrer Werte bewusst? Und auch darüber, wie Sie durch diese geleitet werden? Dazu gibt es diesen Artikel!

Es waren meine Glaubenssätze die mich aushalten ließen:

Stell dich nicht so an! Du schaffst das! Andere schaffen das auch! Wer A sagt muss auch B sagen! Ich kann die Patienten doch nicht im Stich lassen, mein Team und die Geschäftsführung brauchen mich. Ich muss!

Meine inneren Antreiber, leisteten auch ganze Arbeit:

„Ich muss perfekt sein“, „Ich muss stark sein“ und bei allem auch noch „nett sein“…

Zwischenzeitlich war ich auch nicht mehr ganz so unabhängig. Mit meinem Partner hatte ich gerade ein schönes Einfamilienhaus gekauft und wir planten eine gemeinsame Zukunft – mit allem was dazu gehört. Mein Wert „Sicherheit“ war auf seinem Höchststand! Existenzangst kam also noch obendrauf.

Aufgeben kam nicht in Frage!

Bis zu dem Tag, als mein Körper mir sagte: STOPP!

Nun entschied nicht mehr ich selbst, sondern mein Körper und mein Geist.  Gefahr in Verzug:

Zusammenbruch, Burn-out und Veränderung im Anmarsch – auf ganzer Linie.

Das war im Jahr 2002.

Ich war berufsunfähig und absolvierte eine kaufmännische Umschulung. Ich nutzte die Zeit in diesem Job um wieder „runterzukommen“. Ich wollte mich um mich und meine Gesundheit kümmern und dann schauen wie es weitergehen kann. Finanziell hatten mein Partner und ich, große Einbußen. Mein Vater sagte mir damals „Sandra, irgendwie geht’s immer!“. Dieser Satz gab mir Zuversicht und er begleitet mich bis heute.

Ein paar Jahre später wuchs wieder mein Tatendrang, der Wissenshunger meldete sich wieder und ich wollte wieder etwas bewirken. Also studierte ich nebenberuflich Berufspädagogik um meinem Wunsch „mit Menschen arbeiten und kreativ sein“ nochmal näher zu kommen.

Ich kürze hier ab, denn die Geschichte nahm noch einige Wendungen – Höhen und Tiefen, Veränderungen, Erkenntnisse, immer aber an meinem roten Faden entlang – Menschen begleiten, kreativ sein.

Und wenn Sie meine Geschichte bis hierhin gelesen haben (Vielen Dank dafür), dann wissen Sie, weshalb ich tue, was ich tue:

Ich begleite Menschen in schwierigen Situationen. In Zeiten, in denen Sie wissen „ich muss etwas verändern, aber was soll ich bloß tun?“.

Die Lösungen können dabei ganz unterschiedlich sein und müssen nicht gleich einen Jobwechsel bedeuten, wie das bei mir der Fall war. Nein, wichtig ist mir, dass Sie IHRE LÖSUNG finden. Ich bin davon überzeugt, dass diese bereits in Ihnen steckt, ich unterstütze Sie nur darin, sie hervor zu holen.

Auf diesem Weg begleite ich Sie ein kleines Stück. Wir entwickeln Perspektiven und gestalten somit Ihr weiteres Tun und Wirken.

Nochmal: Warum tu ich heute, was ich tu?

  • Weil ich meinem Herzen folge
  • Weil ich meiner Leidenschaft folge
  • Weil ich meine Kreativität lebe
  • Weil ich Menschen begleite und bewege
  • Weil ich Wissen weitergebe und
  • Weil ich weiß, dass SIE das auch können!

 

Heute scheint die Sonne in mein Arbeitszimmer, die Vögel zwitschern, ich schreibe diesen Blog-Beitrag und ich weiß „Sandra, du hast alles richtig gemacht!“ 🙂

Zurück zu meiner Anfangsfrage:

Wissen SIE was Sie antreibt? Warum stehen Sie morgens auf?

Wenn Sie Lust haben, hinterlassen Sie Ihre Antwort in einem Kommentar auf dieser Seite.

Ich wünsche Ihnen Alles Gute und, dass auch Sie für sich, die richtigen Entscheidungen treffen.

Ihre Sandra Liane Braun

8 thoughts on “Ich hatte alles im Blick! Alles! – Aber dann…

  1. Hallo Sandra,
    dein Bericht ist sehr interessant und ich kann mich in Teilen sehr gut darin wieder finden, wenn auch nicht mit so extremen Gesundheitlichen Folgen wie bei dir.
    Bei meinem alten Arbeitgeber wurde die Arbeitssituation auch immer extremer. Das äußerte sich zum Schluss in regelmäßigen Schlafstörungen.
    Die Sätze: „Ich muss perfekt sein“, „Ich muss stark sein“ und bei allem auch noch „nett sein“… kommen mir bekannt vor. Allerdings nicht nur als eigene Vorgabe an mich selbst, sondern auch als Verlangen vom Arbeitgeber. 2012 kam bei mir auch das erste Mal der Gedanke : „Etwas“ muss sich ändern!
    Nach einigen Gesprächen mit meinem Arbeitgeber wurden mir firmenseitige Veränderungen zugesichert und ich habe weitergemacht.
    Als von diesen Versprechungen aber nach einem Wechsel in der GF nichts mehr bekannt war, habe ich 2013 nach langen Überlegungen und mit etwas „Grummeln im Bauch“ die Reißleine gezogen und mir einen neuen Arbeitgeber gesucht (mit „Grummeln im Bauch“, weil ich ja für den Arbeitsmarkt auch nicht mehr im bevorzugtem Alter war) und bei der neuen Firma auch erstmal die Probezeit anstand.
    Rückwirkend betrachtet, war es die Beste Entscheidung, die ich jemals in meinem Berufsleben getroffen habe.

    Viele Grüße
    Dirk

    1. Lieber Dirk,

      vielen Dank für deinen Kommentar und, dass du deine eigene Erfahrung hier teilst. Ich freue mich aus tiefstem Herzen, wenn ein Mensch es schafft, eine notwendige Veränderung vorzunehmen – in diesem Fall DU. Auch in Anbetracht des Alters, was wirklich sehr viele Menschen verharren lässt. Da spielt nochmal eine ganz andere Angst mit, als in jungen Jahren. Ich wünsche mir, dass Menschen „Ü50“ wieder interessant werden auf dem Arbeitsmarkt, weil sie nicht nur viel Erfahrung, sondern auch wichtige und gelebte Werte in die Unternehmen mitbringen. Berichten und Studien zufolge, soll bei den Personalentscheidern gerade ein Umdenken stattfinden.

      Lass es dir gut gehen!
      Herzliche Grüße
      Sandra

  2. Toller Artikel, liebe Sandra. Ein Lebenslauf, wie ihn das Leben eben schreibt, mit Umwegen und Lernprozessen… Denn das Leben ist ja nur ganz selten gradlinig 😉

    Ich wünsche dir, dass du dir deine Leidenschaft erhalten kannst, denn die ist ja das Fundament …
    Liebe Grüße, Monika

    1. Vielen Dank, liebe Monika!
      Stimmt – „wie ihn das Leben schreibt“. Wir kommen ja aus einer Generation, in der ein gradliniger Lebenslauf eher Gang und Gäbe ist (sozusagen „normal“ 😉 ) Wenn wir mal viele Jahre zurück denken, wäre ein mehrmaliger Berufswechsel doch sehr beäugt worden. Heute wird „Flexibilität“ von den Unternehmen gefordert und ebenso steht diese Flexibilität den Menschen zu, die die Arbeit leisten. Am wichtigsten jedoch ist nur eins: Dass der Mensch gesund bleibt.

      Liebe Grüße
      Sandra

    1. Vielen Dank Beate. Ja, es viel zu vielen Menschen so oder so ähnlich. Man sagt mir nach, ich sei eine „Mutmacherin“ – wenn dieser Artikel dazu beiträgt, dann freut mich das 🙂

      Liebe Grüße
      Sandra

  3. Wahnsinn! Es ist beeindruckend, was du alles geschafft hast. Und doch, irgendwann meldet sich der Körper, wenn man nicht auf sich hört. Ich finde es wichtig, dass man das immer und immer wieder hört und erzählt, denn wenn man selbst soweit ist, merkt man es nicht mehr (bzw. man hört daran vorbei) und dann braucht es den Anstoss von aussen.

    1. Vielen Dank Marian, für deinen Kommentar!
      Das Gute ist, aus diesen Erfahrungen habe ich sehr viel gelernt und viel fürs Leben mitgenommen. Mittlerweile habe ich auch einen Weg gefunden, dass ich Körpersignale wirklich, wirklich wahrnehme und dann auch auf diese höre und entsprechend handle. Meine Erfahrungen nun weitergeben zu können, ist eine Bereicherung 🙂
      Liebe Grüße
      Sandra

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