Wer meinen Blog kennt, der weiß, dass ich über „Hamsterräder“, „Gedankenkarussells“ und „Achterbahnen“ schreibe. Nämlich die, in denen man sich befindet, wenn zum Beispiel der Job zum täglichen Kampf wird, man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht und die Lebensqualität leidet.
In diesem Zusammenhang liest und hört man oftmals das Wort Achtsamkeit.

Wie eine große Welle brach vor einigen Jahren die Achtsamkeit über die Unternehmens- und Seminarwelt. Plötzlich wurden haufenweise Achtsamkeits-Seminare angeboten und viele große Unternehmen buchten entsprechende Seminare zur Gesunderhaltung ihrer Mitarbeiter.
Damals arbeitete ich noch in einem Unternehmen und organisierte die Führungskräfteweiterbildung.

Ich weiß noch, dass ich nie so richtig herausfand, was es mit dieser Achtsamkeit eigentlich so auf sich hat.

Die Angebote vom Trainermarkt sprachen mich nicht an und der Funke sprang nicht über. Im Gegenteil: Ich war eher schon genervt, weil es mir wie eine Modeerscheinung vorkam.  Viele Leute sagten auch: „Achtsamkeit… ich kann es fast nicht mehr hören!“ Es machte mich aber nachdenklich, denn ich war der Meinung, dass ich selbst ein achtsamer Mensch bin und mit meinen Mitmenschen achtsam umgehe – soweit aus der eigenen Perspektive.
„Der Hype“ ist weniger geworden – so nehme ich es zumindest wahr.

Der Hype ist abgeflacht. Gott sei Dank… oder soll ich lieber sagen: „Schade!“?

Heute weiß ich ganz genau, was es mit der Achtsamkeit auf sich hat. Ich durfte die Philosophie und die Praxis der Achtsamkeit kennenlernen. Das war zu einem Zeitpunkt, in dem es mir gesundheitlich nicht gut ging. Sie kennen das vielleicht auch, wenn der Kopf Tag und Nacht auf Hochtouren läuft und die Gedanken einfach keine Ruhe halten. Wenn schon der Puls rast, der Blutdruck steigt und man all das einfach nur noch anhalten möchte… aber wie?
Mit der Praxis der Achtsamkeit, habe ich es geschafft!

Und weil ich das als besonders wertvoll ansehe und unglaublich dankbar dafür bin, dass es „das“ gibt, möchte ich mit Ihnen diese Erfahrung teilen und Ihnen eine Möglichkeit aufzeigen, wie sie zur Ruhe kommen können (Hier auch ein paar Gedanken zum Thema „Ruhe“).

Okay, Sie fragen sich bestimmt schon: „Ja, was ist denn das jetzt mit der Achtsamkeit!“?

Ich versuche es zu beschreiben und hoffe sehr, dass mir das besser gelingt als den Trainer-Kollegen, die das in Seminarbeschreibungen versucht haben!

Was meint Achtsamkeit?

Die Praxis der Achtsamkeit geht zurück auf eine jahrtausendalte Tradition, die gern auch das „Herz der buddhistischen Meditation“ genannt wird, obwohl der Grundgedanke von Aufmerksamkeit und Achtsamkeit etwas Universales ist.
Sie ist eine Lebensform und nicht bloß eine gute Idee, intelligente Methode oder vorübergehende Mode.
(Jon Kabat-Zinn)

Keine Angst – es ist kein Hokuspokus und auch nichts Religiöses!

Achtsam sein bedeutet, bei sich zu sein. Achtsam mit mir oder achtsam bei mir, bin ich, wenn ich im Hier und Jetzt bin – Gedanken, Gefühle, Stimmungen wahrnehme – ohne sie zu bewerten (das ist jetzt aber schlecht oder gut, lustig oder doof, schmerzhaft oder berauschend). Das Ziel der Achtsamkeit ist NICHT, ständig im Hier und Jetzt zu sein – das schaffen wir nicht, aber, wir haben die Möglichkeit genauer hinzuschauen und Bewusstheit zu erfahren.

Da es sich jedoch um eine Lebensform und nicht bloß um eine gute Idee handelt, kann sie nur in einem fortlaufenden Prozess erworben werden, der sich erst im Lauf der Zeit entfalten und vertiefen wird. Eine starke innere Entschlossenheit ist dabei eindeutig von Vorteil – eine Entschlossenheit, die ein gewisses Maß an Hartnäckigkeit und Disziplin ebenso wie die Möglichkeit umfasst, spielerisch und mit möglichst viel Leichtigkeit und Sensibilität an die Sache heranzugehen und sich selbst liebevoll und einfühlsam zu begegnen. Diese Sensibilität in Kombination mit einem beharrlichen, ernsthaften Engagement ist das gemeinsame Kennzeichen aller Achtsamkeitstrainings. (Jon Kabat-Zinn)

Liebe LeserIn,
ich hoffe, Sie lassen sich durch die Zitate von Jon Kabat-Zinn, dem Begründer der Achtsamkeitstrainings, nicht abschrecken, weil es vielleicht nach „Arbeit“ klingt!
Es geht um nichts Geringeres, als um Ihre Lebensqualität, um die Art und Weise, wie Sie Ihre Beziehungen zu Ihren Mitmenschen und Ihrer Umwelt gestalten. Es geht um Ihr Wohlbefinden, um innere Balance, Zufriedenheit und Ganzheitlichkeit, die Sie in Ihrem Alltag gewinnen und leben können.

Im vorherigen Absatz begegnete Ihnen das Wort „Achtsamkeitstraining“. Damit ist nicht ein „nettes“, 2-tägiges Seminar gemeint, sondern das wissenschaftlich fundierte Konzept, dass auf den Erkenntnissen der „Mindfulness-Based Stress Reduction“ (MBSR) basiert. In Deutschland bekannt als: „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“. Und diese Bezeichnung, finde ich, wird dem Gedanken der „Mindfulness“ – der Achtsamkeit – in keinster Weise gerecht! Vielleicht war es das, was mir in den Beschreibungen diverser Seminare fehlte. Es fehlte mir die Substanz.

Es wäre ein Märchen, wenn ich Ihnen hier erzählen würde, dass ich keine miesen Tage habe. Wenn ich Ihnen erzählen würde, dass „alles wunderbar“ ist und mein Leben eine einzige Leichtigkeit. Nein. Was ich aber berichten kann ist, dass ich viel bewusster durchs Leben gehe. Ich bin gelassener, deutlich weniger angespannt und im Inneren ruhiger. Ich nehme wahr, wenn sich mein Körper verkrampft, weil das Karussell in meinem Kopf mal wieder ein paar Runden dreht. Ich spüre mich selbst wieder. Mein Fühlen, Denken und Handeln hat sich verändert, weil es mir bewusst geworden ist.
Das heißt, dass ich (Warn-)Signale meines Körpers bewusst wahrnehme, meine Gedankenwelt bewusst wahrnehme, anstatt mich in einen Sog ziehen zu lassen. Den Sog, der dann Hamsterrad, Karussell oder Achterbahn wird. Dies wahrzunehmen ermöglicht mir zu entscheiden: Was mache ich nun daraus? In welchem Zusammenhang stehen meine Gedanken, Körperempfinden und die daraus resultierenden Reaktionen?

Ich kann mich also SELBST aus diesem Sog, dem Gedanken-Chaos, herausnehmen.

In stressigen Situationen, kann ich mich bewusst in mich zurückziehen und die Ruhe in mir finden. Aus dieser Ruhe resultiert neue Energie, Kraft und Mut.

Sie möchten das auch lernen?

Leider biete ich selbst (noch?) kein MBSR-Training an. Suchen Sie ein MBSR-Training in Ihrer Nähe. Zum Beispiel über die Suchfunktion des
MBSR-MBCT Verband e. V.: https://www.mbsr-verband.de/kurse-kompaktkurse.html
MBSR ist „DAS“ 8-wöchige Training, in dem Sie nicht nur die Achtsamkeits-Meditation erlernen (die einige verschiedene Formen beinhaltet und rein gar nichts mit „Oooom“ oder Hokuspokus zu tun hat), sondern auch, wie sie Achtsamkeit in Ihren Alltag integrieren und achtsam leben. Das Gute ist, die Krankenkassen übernehmen einen gewissen Anteil der Kursgebühr, weil es der Prävention dient. Die Investition von ca. 300 € ist eine Investition in IHRE Gesundheit, in IHR Wohlbefinden, in IHR Leben.

Ich habe schon häufig von Seminarteilnehmern, Klienten und auch Kollegen das Feedback bekommen „Sandra, du bist sehr achtsam“… das, von Mitmenschen zu hören, macht mich sehr glücklich und zufrieden.

Wenn „Achtsamkeit“ für Sie jetzt kein abschreckendes Modewort mehr ist, und sie mehr darüber erfahren möchten,

dann habe ich für Sie eine praktische Übung, die Sie sich hier kostenlos herunterladen können und einfach mal ausprobieren können: Achtsamkeits-Übung – Angenehme/Unangenehme Situationen

Und außerdem, hier drei Buchempfehlungen aus meinem Repertoire:

  • Jon Kabat-Zinn, Gesund durch Meditation – Das große Buch der Selbstheilung mit MBSR (Standardwerk zur Meditationspraxis).
  • Mark Williams und Danny Penman, Das Achtsamkeitstraining – 20 Minuten täglich, die Ihr Leben verändern.
  • Jan Chozen Bays, Achtsam durch den Tag – 53 federleichte Übungen zur Schulung der Achtsamkeit.

Wenn Sie Fragen zu MBSR oder zur Achtsamkeitspraxis haben, schreiben Sie mir – in der Kommentarfunktion oder per E-Mail. Gerne spreche ich auch eine Empfehlung zu einer MBSR-Lehrerin hier im Saarland aus.

Bleiben Sie gesund!

Herzliche Grüße

Sandra Liane Braun

2 thoughts on “Achtsamkeit – Wertvoll oder doch nur ein Hype?

  1. Hallo liebe Sandra, es ist sehr unterhaltsam und interssant, Deinen Ausführungen zu folgen.
    Ich freue mich schon, mehr zu lesen 🤗🤗

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